Film ab im Rathaus Schöneberg

Viele Berliner bringen das 1914 fertig gestellte Rathaus Schöneberg, dessen 90. Geburtstag am kommenden Wochenende gefeiert wird, nur mit Politikern oder der Freiheitsglocke in Verbindung. Doch die Behörde besitzt eine unbekannte Seite: Sie dient seit Jahrzehnten für als Kulisse für Filme oder Empfänge der Kinobranche.

Stars wie Romy Schneider, Kirk Douglas, Jean Gabin, Matt Damon, Jude Law und Franka Potente gaben sich die Türklinke in die Hand. In den Ratsstuben hängt ein Foto von Til Schweiger, der bei den Dreharbeiten zum Max-Schmeling-Film dort einkehrte. Anfang der 60er-Jahre wurden dort sehr berühmte Filmszenen gedreht: Einige Szenen aus den Edgar-Wallace-Filmen spielen in der holzgetäfelten Verwaltungsbibliothek mit Galerie im ersten Stock. Sie musste immer wieder das vermeintliche Interieur eines englischen Schlosses geben. Elisabeth Flickenschildt, Hans Clarin und Eddi Arent spielten hier im Wallace-Thriller "Das indische Tuch". Arent, früher eher als Butler eingesetzt, wurde Ende der 90er-Jahre wiederum für eine Wallace-Produktion von RTL im Rathaus gefilmt - diesmal durfte er den Scotland-Yard-Chef mimen. Mit dabei: Mariella Ahrens, Rebecca Immanuel und Gunter Berger.

"Wir sind sehr glücklich darüber, dass die Filmfirmen immer wieder unser Haus nutzen. Es hat eine unverwechselbare Atmosphäre und eignet sich gut als Kulisse für die 20er- und 30er-Jahre", sagt Gerhard Lawrentz (CDU), der als Baustadtrat Hausherr des Gebäudes ist. Das mache sich nicht nur bezahlt, es sei auch Werbung für den Bezirk. Eines Tages jedoch beschwerte sich ein aufgeregter Bürger bei ihm. Der war zuvor in der Rathaus-Kantine zehn Männern in SS-Uniform begegnet. Sie emtpuppten sich dann allerdings als Komparsen.

Im Februar 2000 konnten Gäste im italienisch dekorierten Rathaus-Foyer Gwyneth Paltrow, Jude Law und Matt Damon bewundern. Gefeiert wurde die Premiere des Patricia-Highsmith-Thrillers "Der talentierte Mr. Ripley".

Franka Potente schrie in "Lola rennt" nicht im Casino, sondern eigentlich im Foyer des Rathauses Schöneberg. Zuvor war es mit Roulette-Tischen in ein Casino verwandelt worden. Auch Serien wie "Wolfs Revier" oder "Edel und Starck" werden gern in Büros oder Sälen des Rathauses gedreht. Am Freitag, 3. September, werden von 20.30 Uhr an im Rathaus Filme gezeigt, in denen das Rathaus eine Hauptrolle spielt. In "Schöneberg baut auf" von 1948 dominiert die Trümmerlandschaft des Krieges. Zwei Filme aus den 60er-Jahren dokumentieren schließlich die Errungenschaften des Wirtschaftswunders. Eine Rarität ist der Stummfilm "Die rote Fahne" von 1968. Er stammt aus einem Kamerakursus von Michael Ballhaus. Seine Schüler an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin drehten einen Stafettenlauf über die Rheinstraße. In der Abschlussszene hissen Männer eine rote Fahne am Rathaus-Balkon.