Wedding: Abriss der maroden Martin-Luther-Kirche beginnt

Am Ostermontag wird in der kleinen Martin-Luther-Kirche an der Wollankstraße 84 zum letzten Mal Gottesdienst gefeiert. Superintendent Martin Kirchner wird das Gotteshaus dabei entwidmen. Voraussichtlich vom 3. Mai an werden die marode Kirche und das angebaute Wohn- und Bürohaus abgerissen. Auf dem frei werdenden Gelände entsteht ein Parkplatz mit 80 Stellplätzen für eine neue Filiale der Plus Warenhandelsgesellschaft. Der Supermarkt selbst wird auf dem angrenzenden Grundstück errichtet, einem seit lange aufgegebenen Friedhof der Elisabeth-Kirchengemeinde in Mitte.

"Nachdem der Kaufvertrag für einen Teil des Kirchengeländes und den dahinter liegenden ehemaligen Friedhof der Elisabethgemeinde rechtsgültig ist, wird nun alles seinen Gang gehen", hofft Pfarrer Andreas Hoffmann von der benachbarten St.-Paul-Gemeinde, der die kleine Martin-Luther-Gemeinde seit 1999 betreut. Dass der Pkw-Stellplatz genau an jener Stelle konzipiert ist, wo das 1962 als Behelfskirche errichtete Gotteshaus mit Glockenturm steht, sorgte nach Bekanntwerden der Pläne anfangs für große Aufregung bei Gemeindemitgliedern und Anwohnern, sagt Pfarrer Hoffmann. Heute sei die Stimmung ambivalent. Die meisten Gemeindemitglieder hätten aber begriffen, dass niemand die halbe Million Euro für die notwendige Sanierung der Kirche hätte aufbringen können. Erste Vorbereitungsarbeiten für den Flachbau des Lebensmittel-Discounters (757 Quadratmeter Verkaufsfläche) sollen nach Auskunft des neuen Besitzers und Bauherren, des Solinger Handelsunternehmens Silag, Anfang Mai beginnen. Die Baugenehmigung sowie die Fällerlaubnis für ein gutes Dutzend Bäume liege vor, versichert Bernd Rosenthal, Sprecher der Silag-Immobilienabteilung. Beim Plus-Stammhaus in Mühlheim/Ruhr, das den Supermarkt und den Stellplatz von der Silag gemietet hat, ist man optimistisch. "Noch dieses Jahr wollen wir die Filiale eröffnen", sagt Plus-Sprecherin Jutta Meister.

Die Kirchengemeinde wird ins benachbarte Gemeindehaus umziehen. Das 1974 errichtete moderne Gebäude wird zurzeit umgebaut, erhält einen größeren Saal, einen behindertengerechten Zugang und entsprechende Toiletten, eine neue Heizung und später im Keller einen Jugendraum. Der Platz vor dem Gemeindehaus wird neu gepflastert. Die 130 000 Euro Umbaukosten teilen sich Landeskirche, Kirchenkreis und Gemeinde.

Auf die Glocken will die Martin-Luther-Gemeinde aber nicht verzichten. "Wir haben eine Firma gefunden, die uns den stählernen Glockenstuhl per Kran auf ein Fundament in den Vorgarten setzen wird", sagt Pfarrer Hoffmann. Die überholungsbedürftige Orgel wurde bereits an die Kirchengemeinde im brandenburgischen Diedersdorf verkauft.