Lichtblicke im U-Bahnhof

Foto: Peter Meissner

Im U-Bahnhof Spittelmarkt ist bald wieder Licht im Tunnel - Tageslicht. Bauarbeiter sind zurzeit dabei, das Rad der Geschichte um 63 Jahre zurückzudrehen. Insgesamt 45 Fensterschächte an der Hallenwand zum Spreekanal werden freigestemmt, damit die Sonnenstrahlen wieder das Innere erleuchten können. 1941 waren alle Fenster des Bahnhofs aus Schutz gegen Fliegerbomben zugemauert worden.

Ein Großteil der Arbeiten an der Station wird von der Wasserseite aus vorgenommen. Unterhalb der Wallstraße wurde ein Ponton verankert, von dem aus die Fenster freigelegt werden. Im Innern sichern Bretterwände die Gleise der U 2 vor herabfallenden Steinen und Geröll.

Die Öffnung der 45 Fenster gehört zum Sanierungsprogramm der BVG. Außerdem erhält der Bahnhof Spittelmarkt einen Aufzug, neue Treppen, Wände werden gefliest und der Bahnsteig geebnet. Die Kosten, die vom Bund im Rahmen des Hauptstadtprogramms übernommen werden, betragen mehr als 2,5 Millionen Euro.

Neben der Station Rathaus Schöneberg (U 4) wird der U-Bahnhof Spittelmarkt nach Fertigstellung der einzige unterirdische Bahnhof Berlins sein, der Tageslicht hat. Er wurde 1906 von Alfred Grenander gebaut und im Oktober 1908 eröffnet. Als 1941 die 15 Dreierbögen der Fenster vermauert wurden, geriet die architektonische Spezialität in Vergessenheit. Im Innern wurden die Fensterspuren mit Fliesen aus der Manufaktur Boitzenburg verdeckt. Erst 1998 wurden zwei Fenster zum Spreekanal teilweise wieder freigelegt, doch das Geld für eine Grundsanierung fehlte bisher.

Nach Fertigstellung wird es eine 110 Meter lange Fensterfront geben. Befürchtungen, die Spree könnte bei Hochwasser zur Gefahr werden, gibt es bei der BVG nicht. "Das ist so gut wie ausgeschlossen, denn der Spreewald reguliert den Fluss", heißt es.

Ähnliche Lichteinlässe gibt es in Berlin nur noch am Rathaus Schöneberg. Im dort 1910 eröffneten Untergrundbahnhof fällt der Blick durch hohe rechteckige Fenster in der warmen Jahreszeit auf die Fontänen im Stadtpark - so lautete damals auch der Name der Station.

Während der Arbeiten am Bahnhof Spittelmarkt wird der U-Bahn-Verkehr eingeschränkt. Sonntags bis donnerstags, jeweils von 22 bis 3.30 Uhr, gibt es zwischen den U-Bahnhöfen Märkisches Museum und Hausvogteiplatz Pendelverkehr im 10-Minuten-Takt.