"Spekulationen" in Berlins Mitte

Da steht ein Hotel allein auf weiter Flur - und keiner weiß davon. Aber so sei das auch gedacht, erklärt der Verantwortliche, Matthias Einhoff.

Mitte Da steht ein Hotel allein auf weiter Flur - und keiner weiß davon. Aber so sei das auch gedacht, erklärt der Verantwortliche, Matthias Einhoff. "Das Objekt ist vollkommen in die Landschaft integriert, sodass es auf den ersten Blick gar nicht auffällt." Zwar ist das Gelände in der Ecke Kommandantenstraße/Neue Grünstraße verödetes Brachland, während das Hotel überwiegend aus Sperrholz und Eisen gebaut wurde. "Wer daran vorbei geht, denkt eben, dass es eine Werbetafel ist", sagt Einhoff. Aber das mache gerade den besonderen Reiz der Übernachtungsstätte aus. Auch sonst recht spärlich eingerichtet, ohne Minibar und ohne richtige sanitäre Anlage, ist das Holz-Hotel, wie die Verantwortlichen sagen, trotzdem bis März nächsten Jahres "vollkommen ausgebucht".

Das Hotel mitten in Berlin: Speziell und einzigartig. Eine Übernachtung im "Single-Room-Hotel", das aber laut Konstrukteur dennoch 2-Sterne-Standard hat, kostet 19,90 Euro. Geplant und gebaut wurde es von dem französischen Künstler Etienne Boulanger, einem von insgesamt 15 Künstlern, die für das Projekt "Skulpturenpark" arbeiten.

"Wir machen Kunst im öffentlichen Raum", erklärt Matthias Einhoff, der Mitbegründer des Vereins "Kunstrepublik" ist und das Projekt auf dem brachliegenden Gelände in der Kommandantenstraße leitet. "Schon seit über einem Jahr stellen hier Kreative aus aller Welt ihre Arbeiten aus." Doch erst die Projektreihe "Spekulationen", also Boulangers Holz-Hotel und der wenige Meter gegenüber errichtete XXL-Holz-Hund der Berliner Künstlerin Valeska Peschke, habe die Aufmerksamkeit der Presse auf sich gezogen.

Zuvor gab es eher kleinere oder weniger skurrile Werke zu sehen. Doch "Ziel jeder Arbeit ist, dass die Berliner mit der Fläche auf dem ehemaligen Mauerstreifen leben, sie nutzen oder über sie diskutieren", sagt Matthias Einhoff.

Hintergrund der Aktionen sei, so Einhoff, "dass es das Areal vor etwa 750 Jahren gab und für Berlin eine lange Geschichte und wichtige Bedeutung hat". Der sieben Meter große Hund aus Betonverschalungsbrettern verarbeite den modernen Umstand, dass Hundebesitzer der Nachbarschaft das Gelände zum "Gassi gehen" nutzten würden.

Finanziert wird der Skulpturenpark vom Hauptstadtkulturfonds. Die fünf Gründer des Vereins "Kunstrepublik", Künstler und Kunst-Dozenten, leiten das Projekt ehrenamtlich. Holz-Hund und Holz-Hotel müssen im März der Biennale für zeitgenössische Kunst weichen. Im Juli soll es nach Aussage Einhoff mit der Projektreihe "Landreform" weitergehen. Was es dann zu sehen gibt? "Wir planen noch", sagt Einhoff. Dann wollen die Projektleiter selbst ans Werk gehen.