Luxus-Sexclub vor dem Aus

Ein monatelanger Streit ist gütlich beigelegt. Das Edel-Bordell Bel Ami unweit des Olympiastadions, dem die sofortige Schließung drohte, darf den Geschäftsbetriebnoch bis Ende März 2011 fortführen.

Foto: Sven Lambert

Charlottenburg-Wilmersdorf Ein monatelanger Streit ist gütlich beigelegt. Das Edel-Bordell Bel Ami unweit des Olympiastadions, dem die sofortige Schließung drohte, darf den Geschäftsbetriebnoch bis Ende März 2011 fortführen. "Danach werden wir die Pension mit den Zimmern im ersten Obergeschoss auslagern", sagte Betreiber Detlef Uhlmann in einer gestern einberufenen Pressekonferenz. Sexuelle Dienstleistungen dürften dann im Bel Ami nicht mehr vollzogen werden, erläuterten seine Rechtsanwälte Oliver Girrbach und Percy Ehlert.

Die kommenden dreieinhalb Jahre will der Inhaber des Clubs deshalb nutzen, um zu überlegen, wie er das Geschäft fortsetzt. Der Sex-Club im Erdgeschoss, wo das Liebesgeschäft angebahnt wird, soll auf jeden Fall beibehalten werden. Nur, wo es schließlich zur Sache gehen soll, ist noch offen. "Bei unseren Gästen, die einen exklusiven Anspruch haben, geht der Trend aber schon jetzt dahin, dass sie bei uns Champagner trinken, die Sauna und das Schwimmbad nutzen, anschließend mit unseren Mädchen dann in ihr Hotel fahren", sagt Uhlmann. Seine Rechtsanwälte wollen die genehmigte Nutzung der Räume in der Villa an der Flatowallee 14 als Beherbergungsbetrieb in geänderter Form aufrechterhalten. So sei ein Hotel im Luxus-Segment denkbar.

Bel Ami hat auf Rechtsmittel verzichtet

Auch Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) ist mit der getroffenen Vereinbarung zufrieden. Klar sei, dass der Bordellbetrieb zum vereinbarten Zeitpunkt eingestellt werden müsse, und sich die andere Seite ab dem vereinbarten Zeitpunkt der sofortigen Vollstreckung unterworfen und auf jegliche Rechtsmittel verzichtet habe. Seine Behörde sei zu diesem Kompromiss bereit gewesen, weil ein Gerichtsverfahren durch alle Instanzen vermutlich ähnlich lange gedauert hätte. Auch aus personellen Kapazitätsgründen - sechs Verfahren zum Thema Bordelle in Wohngebieten sind in Charlottenburg-Wilmersdorf noch anhängig - begrüße er die Einigung.

Nach Auskunft von Inhaber Uhlmann, der das Bel Ami bereits seit 1979 betreibt, arbeiten 14 Mitarbeiter fest angestellt in dem Etablissement, hinzukommen 35 freiberufliche Beschäftigungsverhältnisse, darunter befänden sich auch etliche Studentinnen. Beschwerden von Nachbarn habe es nie gegeben. Nur zwölf Gäste pro Tag besuchten durchschnittlich den Club. Uhlmann ist stolz darauf, dass sein Betrieb federführend war, als es darum ging, das Prostitutionsgewerbe zu legalisieren: "Wir gehörten mit zu den ersten, die 30 Euro pro Tag und Dame ans Finanzamt abführen. Arbeits- und steuerrechtlich läuft bei uns alles korrekt. Wie ein begossener Pudel haben wir uns gefühlt, als wir zur Anhörung ins Bezirksamt mussten, auch ein Rechtsstreit war für uns undenkbar. Das Bel Ami war immer bestrebt, mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Schließlich verkehren bei uns Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Sport und Politik, die man aus dem Fernsehen kennt." Weil das Bauamt das Bel Ami schließen wollte - in Wohngebieten sind Bordelle nicht zulässig - haben Nachbarn sogar eidesstattlich bestätigt, dass sie sich nicht belästigt fühlen.

Rechtsanwalt Ehlert zieht in Zweifel, dass das Gebiet baurechtlich richtig eingestuft ist: "Statt von randalierenden Freiern auszugehen, sind doch wohl eher randalierende Fußballfans die Praxis." Er führt zudem ins Feld, dass mehrfach Mitarbeiter des Bauamtes vor Ort gewesen seien, um Teil- und Neubauten zu genehmigen. Da wäre es seiner Meinung nach schwierig geworden für die Baubehörde vor Gericht darzulegen, nichts vom Bordellbetrieb gewusst zu haben. Aber weil man nie mit Sicherheit sagen könnte, wie die Gerichte urteilten, ist auch er mit dem Kompromiss für seinen Mandanten zufrieden.

Die Rechtsprechung zu Betrieben, die sexuelle Dienstleistungen in Wohngebieten anbieten, halten beide Anwälte für "skandalös und revisionsbedürftig". Die Meinung, dass diese Betriebe generell mit Lärm und Belästigung verbunden würden, sei überhaupt nicht in Ordnung. Jeder Fall müsse einzeln bewertet werden. Das Bel Ami sei schon wegen seiner Geschichte, der Qualität und der Lage etwas ganz Einzigartiges.

"Das Baurecht gilt dennoch", so Gröhler. Vor anderthalb Jahren habe das Verwaltungsgericht im Übrigen bereits bestätigt, dass es sich um ein Wohngebiet handele.