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Bürger kämpfen gegen Drogen

Mehr als 40 Vereine und Initiativen haben am Mittwochabend die Bürgerplattform Wedding/Moabit gegründet. Ihr Ziel ist es, die Lebensbedingungen in beiden Ortsteilen zu verbessern und auf gleicher Augenhöhe mit Politikern zu verhandeln.

Etwa 1100 Menschen kamen zur Auftaktveranstaltung in die Universal Hall an der Gotzkowskystraße. Sie gehören Moschee-Vereinen, Kirchengemeinden, Bildungs- und Kulturzentren, Jugendclubs und Selbsthilfegruppen an. Vertreten sind türkische, arabische, afrikanische und russische Anwohner.

Eine bessere Bildung für Kinder aus Migrantenfamilien will Selcuk Saydam von der Haci Bayram Moschee erreichen. Der Sohn türkischer Einwanderer erzählte, er könne seinen Kindern nicht bei Schularbeiten helfen, weil er sich zu wenig Wissen angeeignet habe. Lee Schneider, Pastorin an der Neuen Nazarethkirche, engagiert sich in der Bürgerplattform, weil sie etwas gegen den Drogenkonsum im Umfeld des Gotteshauses unternehmen will. "Trinker übernehmen die Kirchenstufen und machen sie zur Kneipe", berichtet sie. "Dann erwarten sie noch, dass die leeren Flaschen entfernt werden." Bei einer Säuberungsaktion im Umfeld der Kirche seien 170 Heroinspritzen hinter den Büschen gefunden worden. Es komme vor, dass sich jemand einen Schuss auf der Kirchentreppe setze. "Wir wollen das ändern", sagt die Geistliche.

"Die Stammtischmentalität und die Politik der Stadt genügen uns nicht mehr", sagt Frank Richter, Mitglied der Katholischen Kirchengemeinde St. Joseph/St. Aloysius. "Wir setzen uns für ein friedliches Zusammenleben ein und für bessere Chancen für Jugendliche." Im Ergebnis des Gründungstreffens sind drei Arbeitsgruppen entstanden, die sich mit den Themen Bildung und Gestaltung des öffentlichen Raumes beschäftigen wollen.

Initiator der neuen Plattform ist Professor Leo Penta von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Karlshorst. Der in Berlin lebende Amerikaner hat schon die Plattformen "Organizing Schöneweide" in Oberschöneweide und "Werknetz Karlshorst" ins Leben gerufen. "Wedding und Moabit sollen sicherer, schöner und lebenswerter werden", sagt der Hochschullehrer. Penta leitet das Deutsche Institut für Community Organizing, das die Bürgerplattformen begleitet.

Die Plattform Wedding/Moabit hat einen Jahresetat von etwa 100 000 Euro. Davon wird die Stelle einer Organisatorin bezahlt. Durch Sponsoren und Stiftungen kommen 80 Prozent der Summe zusammen. 20 Prozent tragen die Vereine.

"Wedding und Moabit sollen sicherer, schöner und lebenswerter werden" Professor Leo Penta