Vom spröden Charme der City-West

Anna Maria Odenthal gerät ins Schwärmen, wenn sie Besuchern, in diesem Falle den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses des Abgeordnetenhauses, die Vorzüge des Breitscheidplatzes näherzubringen sucht.

Charlottenburg Anna Maria Odenthal gerät ins Schwärmen, wenn sie Besuchern, in diesem Falle den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses des Abgeordnetenhauses, die Vorzüge des Breitscheidplatzes näherzubringen sucht. Der Platz, von vielen Berlinern als unwirtlich gemieden und von Touristen stark frequentiert, sei eine "gelungene Mischung von Alt und Neu und dem Hervorragendsten, was man seinerzeit städtebaulich und architektonisch zu bieten hatte", so die Baudenkmalpflegerin. Die Expertin weiß nicht nur durch die ungläubigen Blicke, die sie aufgrund ihrer Liebeserklärung an den zugigen Platz von manchen Zuhörern erntet, dass die Bauten der 50er- und 60er-Jahre des vorigen Jahrhunderts derzeit einen schweren Stand haben. Den Kampf um den Erhalt des Schimmelpfeng-Hauses (1957-1960) haben die Denkmalschützer im Frühjahr mit der Erteilung der Abrissgenehmigung durch die Senatsverwaltung endgültig verloren. Die Casia Immobilien-Management GmbH plant, an seiner Stelle 2008 mit dem Bau eines 120 Meter hohen Gebäudes zu beginnen.

Abrissbagger waren schon da

Gleich nebenan an der Hardenbergstraße waren die Abrissbagger schon längst da, um Platz für ein ähnlich dimensioniertes Hochhaus zu schaffen. Doch auf Berlins prominentester und ältester Baugrube vis-à-vis vom Bahnhof Zoo tut sich seit 2002 nichts. Im August wurde nun immerhin die Grube verkauft. Beim Bikini-Haus und dem Kino Zoopalast auf der anderen Seite der Hardenbergstraße droht aus denkmalpflegerischer Sicht gleichfalls Ungemach. Der Investor, die Bayerische Bau und Immobiliengruppe, will 2008 mit der Umgestaltung der 50er-Jahre-Bauten beginnen. Noch ist nicht klar, wieweit es gelingt, das Foyer und den großen Saal des Kinos vor Umbau zu schützen. Dem spröden Charme der City West ist indes auch Thomas Flierl (Die Linke) erlegen. Der ehemalige Kultursenator und Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses hat die Tour durch die City-West organisiert: "Ich habe mir sozusagen als Außenstehender erst neu angeeignet, wie großartig West-Berlin ist", sagt der Sohn des prominenten DDR-Architekturhistorikers Bruno Flierl. Das sei durchaus kein Lippenbekenntnis, versichert Flierl. "Schließlich habe ich mich als Kultursenator für die Deutsche Oper und das Studentenwerk Schlachtensee eingesetzt", sagt er.

Initiative im Parlament angekündigt

Flierl will nun dafür sorgen, dass Zoopalast und Schimmelpfeng-Haus als Besprechungspunkt ins Parlament kommen. Die Öffentlichkeit müsse mobilisiert werden, denn nur durch öffentliches Umdenken ließen sich solche Bauten retten. "Noch fehlt vielen im Westen, die ja auch im Osten viel platt gemacht haben, das Verständnis für den Wert dieser Architektur."