"Haus Schöneweide"

Heute öffnet das "schönste Obdachlosenheim der Welt"

Das nach Ansicht des Trägers "schönste Obdachlosenheim der Welt" wird heute in Niederschöneweide eröffnet. Der Umbau für mehr als 100 000 Euro solle Obdachlosen ein Gefühl von Würde und Respekt vermitteln und ihnen die Möglichkeit wieder eröffnen, an der Gesellschaft teilzuhaben, teilte das Berliner Diakonische Werk gestern mit.

Das ungewöhnlich aufwendig renovierte Wohnheim ist ein Kunstprojekt, das mit Spenden finanziert wurde. Die Künstlerin Miriam Kilali hatte es sich zum Ziel gesetzt, das Haus in einen "wohltuend schönen Ort" umzugestalten. Das Projekt wende sich "gegen die totale Hoffnungslosigkeit von Menschen, die auf der Straße leben", würdigte der Berliner Bischof Wolfgang Huber die Initiative. An der Michael-Brückner-Straße befindet sich das Haus nicht in bester Lage. Nahe dem S-Bahnhof Schöneweide steht es als unscheinbarer Altbau mit schmutziggelber Fassade im eher ärmlichen Kiez. Vor der Haustür Vorstadtverkehr auf sechs Spuren. Die neue Schönheit des Hauses offenbart sich dem Besucher erst im Inneren. Durch den hohen Hausflur mit Kronleuchtern, Pilastern und Tapeten samt Goldbordüre fällt der Blick in den Garten. Abgeschliffene Holztreppen mit dunkelrotem Sisalteppich führen in die oberen Etagen. Im Gemeinschaftsraum moderne rote Ledersofas auf Parkettboden, Bilder mit Goldrahmen an den Wänden. Vom "Überraschungseffekt" spricht Künstlerin Kilali, die bereits eine Notunterkunft in Moskau umgestaltet hat. "Es soll einfach üppig aussehen", sagt sie. Das ganze Haus versteht sie als begehbares Kunstwerk. Es sei wie ein großes Gemälde, dessen äußerer Glanz die traurigen Schicksale seiner Bewohner nicht verbergen solle. "Haus Schöneweide" ist ein Wohnheim der Suchthilfe. Hier leben schwere Alkoholiker, die nicht mehr fähig zu einer Therapie sind. Manche haben Demenzen, andere Leberkrankheiten oder Krebs.

Luxus ist für diesen Ort kaum das richtige Wort. Die kleinen Zimmer der Bewohner sind mit gebrauchten Möbeln gefüllt. Es riecht nach kaltem Zigarettenrauch und süßlichem Alkoholdunst. Drei Bier am Tag sind jedem Bewohner erlaubt, sonst ginge es gar nicht. Die Männer zwischen Ende 30 und Ende 60 haben durch ihre Sucht Arbeit, Familie und Freunde verloren. Viele lebten auf der Straße, bevor sie hier ihr Zimmer bezogen. Für "Haus Schöneweide" gibt es eine Warteliste. Wer einziehen will, muss auch die Hausregeln beachten. Oberste Gebote: keine Gewalt - und keine harten Drinks.

Das Diakonische Werk hofft, dass ein Funke der äußeren Hülle auf die Bewohner überspringt - vielleicht ein positiverer Blick auf das Leben.