Tresor bekommt Bauabnahme in letzter Minute

Mit Verspätung hat der Club Tresor in einem ehemaligen Heizkraftwerk an der Köpenicker Straße in Mitte eröffnet - ein Termin, der nicht nur Berlin mobilisiert hat.

Mitte Mit Verspätung hat der Club Tresor in einem ehemaligen Heizkraftwerk an der Köpenicker Straße in Mitte eröffnet - ein Termin, der nicht nur Berlin mobilisiert hat. Normalerweise sind bei derartigen Openings Freunde, Presse und Prominente eingeladen; der normale Partygänger muss sich noch einen Tag gedulden, bis er die neuen Hallen erkunden darf. Nicht so beim Tresor: Die Mutter aller Berliner Techno-Clubs öffnete in der Nacht zu Freitag ihre Pforten - und jedermann war eingeladen. Mit Tresor-Shirts und limitierten Siegelringen bewaffnet, warteten Fans auf das Comeback der Club-Legende. Sogar Reisebusse aus Polen und Amsterdam spuckten Fans aus.

Doch wer rein wollte, musste sich gedulden. Die Tresor-Chefs Dimitri Hegemann und Fabian Lenz, Bruder von DJ-Star WestBam, waren bis tief in die Nacht hinein im Stress. "Die Bauabnahme ist noch nicht durch", sagte Fabian Lenz um 23.30 Uhr. Da sollte der Club bereits seit einer halben Stunde geöffnet sein. Elf Stunden dauerte die Besprechung mit den Behörden bereits an; es mussten noch eine Notausgang-Treppe auf 1,20 Meter verbreitert werden und eine Brandschutztür richtig schließen.

Hunderte skandieren: "Wir wollen rein"

Vor den Toren rief Hunderte auf Einlass Wartende derweilen in Chören: "Wir wollen rein". Ihrem Unmut ließen sie mit Pfiffen freien Lauf. Polizisten mussten die Menschenmassen im Zaum halten, so dass sie nicht die Köpenicker Straße blockierten.

Kurz nach Mitternacht war es dann soweit: Der Tresor öffnete seine Pforten. "Ich bin erschöpft und glücklich", sagte Dimitri Hegemann strahlend. Für den Eröffnungsabend landete er einen ganz besonderen Coup. Der internationale Star-DJ Sven Väth legte seine Welttournee extra so, dass er zur Eröffnung im Tresor auflegen konnte. Der bekannte Plattendreher bekam eine persönliche Führung durch die neue Location und zeigte sich sehr angetan. "Ich bin überwältigt", sagte er.

Kein Wunder, denn schließlich ist das stillgelegte Heizkraftwerk von Vattenfall eine Sensation. Die riesige Halle erinnert mit ihren Ausmaßen an eine Kathedrale und besticht durch ihren morbiden Charme. Das Betonskelett mit seinen eingerissenen Treppen und herausquellenden Kabel ist das richtige Ambiente für einen Techno-Tempel.

Leider befinden sich die drei Dancefloors jedoch im Keller und in einem Seitenflügel, so dass der Partygast das umwerfende Ambiente einzig von einem kleinen Balkon aus betrachten konnte.

Ansonsten blieb der Tresor sich treu. Auf dem Dancefloor wurden die alten Stahlgitter aus der letzten Location angebracht. Partygänger fühlten sich wie im Keller der Leipziger Straße, wo der Tresor 14 Jahre lang residierte.

Speerspitze der internationalen Clubs

Damals gehörte die Location zur Speerspitze der internationalen Clubs. Die Techno-Urväter aus Detroit gastierten regelmäßig in den Hallen, und Berliner DJ-Stars wie Paul van Dyk oder WestBam eroberten von hier aus die Welt. Bei der Wiedereröffnung nach zwei Jahren Pause schlug der Tresor nun die gleichen musikalischen Töne an. Während andere angesagte Clubs auf den Techno-Trend "Minimal" setzen, klang der Tresor in seiner ersten Nacht wie in den 90er-Jahren. Bumbum-Techno vom Feinsten.

Vielleicht hatten die Premierengäste deshalb soviel Spaß. Alte Weggefährten, kritische Adabeis und Szene-Prominente wie die weltbekannte DJane Monika Kruse mischten sich mit Ravern in Neonhosen und eingefleischten Fans, die das Tresor-Logo auf der Schulter tätowiert haben.

Sven Väth bewies indes, dass sich doch etwas zu den 90er-Jahren geändert hat. Statt wie in alten Tagen bis zur Mittagsstunde aufzulegen, überließ er die Decks beim Sonnenaufgang DJ Phonique. "Man wird eben nicht jünger", sagt der Frankfurter DJ.