Autonomentreff vor Verkauf - Gewalt erwartet

Ein Kultobjekt der linksradikalen Szene in Berlin soll Anfang Mai versteigert werden.

Mitte Ein Kultobjekt der linksradikalen Szene in Berlin soll Anfang Mai versteigert werden. Das sogenannte autonome Kulturzentrum "Köpi" in Mitte steht zum Verkauf.

Nach einem internen Papier der Polizei hat das "Wohn- und Kulturprojekt in der Köpenicker Straße 137/138" innerhalb der linken Szene eine hohe Bedeutung - vergleichbar mit dem "Ungdomshuset" in Dänemark. Bei der Räumung dieses ebenfalls selbst verwalteten Wohnprojektes in Kopenhagen kam es im März zu schweren Ausschreitungen, die tagelang andauerten.

In Berlin randalierten Autonome bereits nach einer Solidaritätsdemonstration für das "Ungdomshuset", an der 1500 Personen teilnahmen. Sollte ein Käufer für das "Köpi" gefunden werden, der anschließend eine Räumung durchsetzt, rechnet die Polizei damit, "dass sich Angehörige der linksextremistischen Szene zum gewalttätigen Widerstand formieren werden".

Versteigerungstermin lange angekündigt

Der Versteigerungstermin für das ehemals besetzte Haus, dass jetzt von den Bewohnern in Eigenverantwortung verwaltet wird, wurde bereits Ende Februar im Berliner Amtsblatt auf Seite 471 bekannt gegeben: Unter der Geschäftsnummer 30 K 252/04 liegt ein Beschluss des Amtsgerichts Mitte vor, das 1904 Quadratmeter große Objekt an der Köpenicker Straße 137/138 am 8. Mai um 8 Uhr im Saal 0208 zu versteigern. Zum Objekt gehört ein "5-geschossiges Quergebäude (Hinterhaus) mit Resten von zwei Seitenflügeln (Ruine)". Das Hauptgebäude befinde sich in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand.

"Laut Gutachten wird der zurzeit vorgefundene Zustand als besetztes Objekt stillschweigend geduldet", steht in dem Eintrag. Nach Informationen dieser Zeitung sollen am 8. Mai auch die Köpenicker Straße 133, 134/135 und 136 unter den Hammer kommen. Dort befindet sich unter anderem der "Köpiwagenplatz", auf dem rund 25 Wohnanhänger, Bauwagen und Kastenanhänger abgestellt sind, in denen ehemalige Hausbesetzer, Punks und Personen aus der Antifa-Szene wohnen.

Offiziell nur 29 Bewohner

"Den Versteigerungstermin ausgerechnet in die Nähe des 1. Mai zu legen, halte ich für fatal", sagte ein leitender Polizeibeamter. Er verwies dabei auf die jüngsten Krawalle vor dem autonomen Hausprojekt: In der Nacht zum 13. Januar dieses Jahres kam es zu einem Polizeieinsatz, weil es für ein Konzert offenbar keine Erlaubnis gab. Autonome errichteten daraufhin Barrikaden, besetzten eine Kreuzung und rangelten mit den Beamten - die Einsatzkräfte mussten sich schließlich zurückziehen.

Im "Köpi" sollen 29 Personen gemeldet sein. Die Beamten gehen aber davon aus, dass dort wesentlich mehr Menschen leben. "Das Haus bietet Wohn- und Lebensräume für ca. 60 Menschen, einschließlich ihrer Kinder, wovon einige von ihrer Geburt an hier wohnen (...) Es gibt regelmäßig vegetarische Volxküche, kostenloses Kino, Konzerte, Diskos, Soliveranstaltungen, eine Cocktailbar, ein Videoarchiv und Kneipenbetrieb auf Selbstkostenbasis", heißt es auf der Internetseite des "Köpi".

Die Polizei befürchtet, dass die Köpi-Bewohner jetzt international zu Protestaktionen aufrufen werden. Neben einem "hohen Mobilisierungspotential" rechne man mit Straftaten "in Form von Sachbeschädigungen und Farbschmierereien bis hin zu Brandanschlägen gegen Einrichtungen der Gläubigerbanken" sowie mit Demos vor oder in Filialen und im Amtsgericht, heißt es in dem vertraulichen Papier. Der Staatsschutz habe "Sensibilisierungsgespräche" mit Mitarbeitern geführt.

"Ich kann nicht verstehen, warum man sich nicht dafür stark gemacht hat, die Versteigerung zu verschieben. Das hätte Ärger erspart", klagt ein Beamter. Man könne nicht davon ausgehen, dass die Szene solche Termine "verschlafe".