Zweiter Sprengversuch des Maschinenhauses gescheitert

Umherfliegende Metallteile, zerbrochene Fensterscheiben an benachbarten Häusern, bröckelnder Putz im Wohnzimmer, kaputte Dächer und Risse in den Wänden:Das ist das Ergebnis der Sprengversuche für das alte Maschinenhaus auf dem Gelände des Heizkraftwerkes Rudow am Minzeweg.

Neukölln Umherfliegende Metallteile, zerbrochene Fensterscheiben an benachbarten Häusern, bröckelnder Putz im Wohnzimmer, kaputte Dächer und Risse in den Wänden:Das ist das Ergebnis der Sprengversuche für das alte Maschinenhaus auf dem Gelände des Heizkraftwerkes Rudow am Minzeweg. Zahlreiche Häuser vis-à-vis des Kraftwerks sind beschädigt worden, während das Gebäude selbst bisher zwei Sprengungen - am vergangenen Sonnabend und gestern - überstand. Mittlerweile sind die Anwohner mit ihren Nerven am Ende.

Nur wenige Anwohner waren informiert

"Die Detonation gestern war extrem stark und kam für uns völlig überraschend", so Anwohnerin Jutta Konzack. Kritik der Anwohner: Nur wenige sind vorher mit Infoblättern in ihren Briefkästen über die gestrige Spreng-Aktion informiert worden. Nun wollen die Betroffenen versuchen, mit einer einstweiligen Verfügung gegen weitere Sprengungen vorzugehen.

Heute treffen sich Experten der Abrissfirma, des Neuköllner Bauamts und des Landesamts für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (Lagetsi), um festzustellen, wie die Pannen passieren konnten. "Da werden wir auch unseren Widerspruch einreichen", so eine Anwohnerin. Die Nachbarn vom Minzeweg wollen sich zusammentun, einen Anwalt einschalten und auch vor Gericht ziehen, wenn es sein muss. Sie fragen sich, warum überhaupt gesprengt wurde und das Gebäude nicht anders abgetragen werden kann.

Gestern stand bei den meisten das Registrieren und Dokumentieren der Schäden an. Außerdem wollen sie endlich Klarheit, wie es mit den Abrissarbeiten weitergehen soll. Ein gestern verteiltes Infoblatt der Abrissfirma besagt, dass ein Expertenstab überprüft, warum ein Teil der Sprengladungen nicht detonierte. Nach Lagetsi-Auskunft handelt es sich bei dem Maschinenhaus um einen 40 mal 40 Meter großen Stahlskelettbau, die Treppenhäuser bestehen aus Stahlbeton. "Die beiden Treppenhäuser konnten gesprengt werden, der Rest steht noch", sagt Lagetsi-Sprecher Robert Rath.

"Ein Stahlskelett kann nicht so wie ein Bau aus Ziegelsteinen bei der Sprengung berechnet werden", so Rath. Dabei könnten sich die Stahlträger ineinander verkeilen. Rath stellt sich auch die Frage, ob die Abstände zwischen Anwohnern und Maschinenhaus mit rund 20 Metern zu gering für Sprengungen sei. Das Landesamt ist für die Kontrolle der Sprengfirma zuständig, das Bau- und Wohnungsaufsichtsamt ist die Aufsichtsbehörde für die Grundstückseigentümer. "Da stellt sich auch die Frage der Verantwortlichkeiten, um weitere Schäden zu vermeiden", so Rath.

Versicherung soll Schäden zahlen

Bauleiter Jörg Steinhäusler betont, dass die Schäden durch die Sprengungen jetzt alle aufgenommen werden. "Dann zahlt die Versicherung der Abrissfirma", so Steinhäusler. Der 100 Meter hohe Kraftwerk-Schornstein, der auch vom Gelände verschwinden muss, werde wahrscheinlich stückweise abgetragen und nicht gesprengt.

Bis Dezember soll das Grundstück des alten Bewag-Kohleheizkraftwerkes dem Eigentümer abgeräumt übergeben werden. Vor gut einem Jahr wurde es von Vattenfall an die TCD Rückbau GmbH aus München verkauft. Die lässt jetzt das Kraftwerk von dem Abbruch- und Recyclingbetrieb Stuckenberger demontieren und will intakte Teile verkaufen.