Gambrinus grüßt wieder im Blumeshof

Lange Zeit welkte das Saatwinkler Schlösschen "Blumeshof" vor sich hin. Aber nach aufwendigen Sanierungen wird der idyllisch gelegene Fachwerkbau am Tegeler See an alte Pracht anknüpfen können.

Reinickendorf Lange Zeit welkte das Saatwinkler Schlösschen "Blumeshof" vor sich hin. Aber nach aufwendigen Sanierungen wird der idyllisch gelegene Fachwerkbau am Tegeler See an alte Pracht anknüpfen können. Errichtet wurde das klassizistische Gebäude 1785 als Jagdschloss für Friedrich Wilhelm III., doch seinen blumigen Namen verdankt es dem Opernsänger Heinrich Blume, der das Anwesen gegen 1800 als Erbpacht erhielt. Überliefert ist, dass Blume auf der nahe gelegenen Insel Valentinswerder wohnte und wegen der Bootsfahrten oft zu spät zur Aufführung erschien. Dem wollte der König mit der großzügigen Gabe abhelfen. Zuletzt ging es nicht mehr so generös zu, weshalb die heutigen Eigentümer erheblichen eigenen Aufwand für die Sanierung zu betreiben hatten.

"120 Kubikmeter Müll mussten wir abfahren, um überhaupt beginnen zu können", erzählt Heinz Targatsch, der seinen Anteil des ursprünglichen Familienbesitzes erst 1995 von der Stiefmutter übertragen bekam. Jetzt ist der 72-Jährige die treibende Kraft der Erneuerung.

Nachdem die ursprünglich beauftragte Baufirma pleite ging und viel Geld verloren war, hat Heinz Targatsch als Zimmermann Fenster, Türen und Teile des Innenausbaus selber erledigt. Trotzdem musste die Erbengemeinschaft bisher rund 500 000 Euro aufbringen, von denen die Denkmalpflege immerhin 150 000 Euro übernahm.

Fachkundig zur Seite steht Targatsch der Architekt Jürgen Lampeitl. Der sorgte auch dafür, dass die angeschlagene Terrakottafigur des Gambrinus, des mythischen Ahnherrn der Bierbraukunst, restauriert wurde. "Es ist mühselig, im Denkmalschutz zu arbeiten, weil es so viele Details zu beachten gibt, aber es macht auch Spaß, Gebäude zu retten, die in Gefahr sind", zeigt sich Lampeitl als Überzeugungstäter.

Doch nicht nur das Haupthaus mit seinen roten Klinkern bedurfte der Sanierung. Das 17 500 Quadratmeter große Grundstück in der Jungfernheide birgt nämlich weitere Kleinode. Die "Gasse" von 1892 etwa, ein in dieser Form vielleicht einmaliges Ensemble; zwei Gebäudezeilen mit ehemaligen Gesindewohnungen bilden mitten im Wald tatsächlich eine kleinstädtische Gasse. Aus ehemaligen Sommerwohnungen werden nun Dauerdomizile. Der ehemalige Pferdestall an der Toreinfahrt soll zu Wohnzwecken umgebaut werden.