Königskolonnaden im Kleistpark bröckeln

Auf dem Schulweg schnell ein Eis naschen? Oder beim Babysitten einen Cappuccino schlürfen? Ein Gläschen Wasser vorm Joggen gefällig? Der Kleistpark könnte neben dem Grünerlebnis auch gastronomische Versuchungen bieten: in den Königskolonnaden. «Die historische Bedeutung schließt das nicht aus», sagt Stadtplanungsamtsleiter Siegmund Kroll.

Die Kolonnaden standen nicht immer am Kleistpark. Sie gehörten einst zum Ensemble der Brückenhallen, die von 1777 bis 1780 am Festungsgraben nahe des späteren Alexanderplatzes errichtet wurden. Den Hallen vorgelagert schmückten die Kolonnaden die Königsbrücke, die zum Stadtschloss führte. Sie waren aber auch ein Handelsplatz, wo es Tabak und Zeitungen, Galanteriewaren und Ziervögel gab. Mit dem Abriss der Brücke sowie dem Bau des Alexanderplatzes, der Stadtbahn und letztlich auch des Kaufhauses Wertheim verloren die Kolonnaden ihren unmittelbaren städtebaulichen Bezug. Anders gesagt: Sie störten und wurden deshalb 1910 vor die Tore Berlins verlegt, aufs Gelände des alten Botanischen Gartens in der Stadt Schöneberg, an ihren heutigen Standort.

Derzeit ist die nördliche Kolonnade eingezäunt. Das Bezirksamt lässt Schäden und Versalzungen am Denkmal untersuchen und tüftelt an einem Maßnahmenkatalog. Doch noch blockiert eine Frage alle bemühungen: Woher das Geld nehmen? Denn der Sanierungsbedarf wird auf ein bis zwei Millionen Euro geschätzt. Bekanntlich sind die Bezirkskassen leer. Darum verwundert es nicht, dass Stadtplanungsdezernentin Elisabeth Ziemer (B 90/Grüne) auch Land und Bund als Finanziers in der Pflicht sieht: «Die diskutieren über den Wiederaufbau des Schlosses. Mit den Kolonnaden gilt es aber, Originalsubstanz zu retten.» tal