Telefunkenwerk wird Wohnquartier

Auf einem 120 000 Quadratmeter großen Gelände der ehemaligen McNair-Kasernen an der Goerzallee wird mit einer Investition von 200 Millionen Euro eine Stadt in der Stadt entstehen. Bis Ende 2004 sollen die 1937 errichteten Fabrikgebäude des «Telefunkenwerkes Lichterfelde», die in den vergangenen Jahrzehnten von den Amerikanern genutzt wurden, umgebaut und mit einer eigenen Kiez-Struktur versehen werden. Investor ist die Neubau-Unternehmensgruppe.

Das Immobilienunternehmen teilt sich die Entwicklung des Gesamtgeländes von zirka 240 000 Quadratmetern mit der Bavaria GmbH, die auf den ehemaligen Sport- und Grünflächen der amerikanischen Kasernen 510 Wohneinheiten geplant hat. Im ersten und zweiten Bauabschnitt wurden 226 Häuser gebaut, 135 sind verkauft. Im Mittelpunkt stehe jetzt die Vermarktung der Häuser, bevor es an den dritten Bauabschnitt gehe, sagte Pressereferentin Martina Conrad. Befürchtungen von Kommunalpolitikern, dass dieser Bauabschnitt von der Bavaria gar nicht erst angefangen werde, wies sie zurück. Die Planung laufe bereits, doch könnte es Änderungen geben.

Von dem Leerstand auf dem Bavaria-Gelände lässt sich die Neubau-Gruppe nicht abschrecken. Sie hat jetzt ihre detaillierten Pläne der Öffentlichkeit präsentiert und viel Unterstützung «für das multifunktionale Konzept» von allen Fraktionen der BVV bekommen. In die denkmalgeschützten Fabrikhallen kommen 112 Wohnungen mit einer durchschnittlichen Größe von 160 Quadratmetern. Als Lofts will Gunther Zeidler, Leiter der Berliner Niederlassung, sie nicht bezeichnen. «Dafür fehlt das Umfeld», sagt der Manager mit Blick auf das gegenüberliegende Gewerbegebiet. Trotzdem glaubt er, mit der Großzügigkeit den Markt im Bezirk zu treffen. In einigen kleineren Einheiten ist betreutes Wohnen für Senioren vorgesehen.

Im ehemaligen Gästehaus der Amerikaner ist ein Hotel mit 50 Betten und ein Service-Appartementhaus mit bis zu 150 Wohnungen geplant. Das Angebot richtet sich vor allem an Firmen, die ihre Mitarbeiter für wenige Monate in Berlin unterbringen wollen. Restaurants, Fitnesscenter oder auch eine Tanzschule sind vorgesehen.

Zentrales Bauwerk und Wahrzeichen der Siedlung ist der Telefunken-Turm mit seinen angrenzenden Gebäuden. Dort soll die Steglitzer Kopernikus-Gesamtschule einziehen. In den unteren Geschossen des Turms ist Platz für ein Kinderhaus mit Rutschen, Hausaufgabenecken und Indoor-Spielplatz. Die Nutzung der oberen Turmgeschosse ist noch ungeklärt, weil es keinen Fluchtweg gibt. Das Areal soll von einem Geschäfts-, Büro- und Ärztehaus, einem SB-Markt und einer privaten Fachschule komplettiert werden.

Etwa 100 Millionen Euro will die Neubau-Gruppe selbst tragen. Für die andere Hälfte der Investitionssumme holt sich das Unternehmen Partner aus dem öffentlichen und privaten Sektor mit ins Boot. So wird zum Beispiel der Bereich Wohnen, der ein Drittel des gesamten Bauvorhabens ausmacht, in fremde Hände gegeben.

Die Zeit ist knapp. «Aber niemand will ewig auf einer Baustelle leben», sagt Geschäftsführer Friedhelm Boese. Planungen und Partnersuche müssen bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Der Baustart soll dann zeitgleich an mehreren Stellen erfolgen.