Parkcafé am Fehrbelliner Platz ist jetzt komplett

Wilmersdorf - Als Wilmersdorf noch ein eigenständiger Bezirk war, waren Fragen nach dem Biergarten, der da auf dem Fehrbelliner Platz entstehen sollte, so etwas wie ein «running gag», ein Dauerwitz. Gerne brachten vor allem Verordnete der Grünen die seinerzeit CDU-dominierte Verwaltung mit Fragen nach dem Wann-denn-endlich in Verlegenheit. Tief ins Gewissen bohrte das Argument, dass dem Bezirk nach der Vertreibung des Flohmarkts im Frühjahr 1999 monatlich Einnahmen in Höhe von 13 500 Euro verloren gegangen waren. Lange harrte der kahle Parkplatz seiner neuen Bestimmung.

Erst Mitte Juni 2000 eröffnete das Gastronomen-Duo Lothar Ewerhardy und Stephan Huck seinen Biergarten als Provisorium. Mit dem Vorläufigen ist heute nun, nach weiteren zwei Jahren, Schluss: «Es sieht zwar nicht so aus», sagte Lothar Ewerhardy gestern noch und wies auf hämmernde und sägende Arbeiter, «aber wir schaffen es». Das «Parkcafé», wie die Betreiber ihr Etablissement nennen, eröffnet nicht nur seine dritte Freiluft-Saison, sondern auch sein neues Haus, das Gästen, die sich nicht vom Platz unter den Platanen trennen möchten, auch bei unfreundlichem Wetter ein Obdach bieten soll.

Neben den rund 1000 Plätzen auf etwa 2000 Quadratmetern im Freien gibt es nach Angaben der Wirte künftig auch 160 Plätze im Haus. Insgesamt 1,1 Millionen Euro haben sich Lothar Ewerhardy und Stephan Huck die Genese ihres Biergartentraums kosten lassen. «Es war nicht einfach, die Finanzierung auf die Reihe zu kriegen», sagt Ewerhardy. So konnten die beiden Gastronomen auch keine GmbH gründen, durch die sie lediglich mit dem hinterlegten Gesellschaftskapital haften würden, sondern bildeten eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), in der sie mit ihrem gesamten Vermögen haften müssten, falls das Unternehmen scheitert. Doch Ewerhardy und Huck glauben an ihr Konzept: «Die beiden ersten Jahre haben uns gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.»

Eröffnung mit Live-Musik ist heute um 11 Uhr, sonst ist der Freiluft-Ausschank immer schon von 9 Uhr an open end geöffnet. Selbstbedienung wie in anderen Biergärten gibt es am Fehrbelliner Platz nicht: «Wir haben im gesamten Bereich 15 fest angestellte Mitarbeiter und je nach Saison 30 freie», zählt Ewerhardy auf. Jeden Tag gibt es bis 16 Uhr Frühstück à la carte, sonntags sogar mit Jazz. Die Küche bietet süddeutsche und internationale Gerichte. Locken soll der Biergarten, wie schon im vergangenen Sommer, auch mit Salsa- und Tangoabenden, zwei Boulebahnen und einem Kinderspielplatz.

Was mit dem Rest des Platzes geschieht, ist indes noch unklar. Wie berichtet, hat sich Jörg Thurmann, der ehemalige Flohmarktbetreiber, erneut um einen Trödel beworben. Doch der Bezirk hat eine Ausschreibung veranlasst. «Die Frist läuft bis 20. Mai», sagt Bauamtsleiter Klaus Knittel. Dann werde das Ergebnis der BVV mit ihrer rot-grünen Mehrheit vorgestellt.