Kultur

Berlins ältestes Kino vor dem Aus?

Das älteste noch bestehende Kino Berlins steht offenbar vor dem Aus. Die "Tilsiter Lichtspiele" in der Richard-Sorge-Straße in Friedrichshain-Kreuzberg gerieten aufgrund erhöhter Mietforderungen wenige Wochen nach den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum in große Bedrängnis, wie Mitbetreiber Alexander Zahn gestern dieser Zeitung berichtete.

Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass in naher Zukunft der letzte Film über die Leinwand flimmert. "Die Vermieter haben die Miete drastisch angehoben. Die neuen Forderung können wir uns auf keinen Fall leisten", sagte Zahn.

Noch stünden Zahn und sein Team in Verhandlungen mit dem Vermieter. Eine Annäherung scheint aber nicht in Sicht. "Es wird etwa das Doppelte gefordert von dem, was wir bislang gezahlt haben. Obwohl wir schon seit langem in Gesprächen stehen, sieht es nicht so aus, als könnten wir uns noch einigen", so die Einschätzung des Betreibers. Der Vermieter Heinrich Tasto war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Das Kino besteht seit 1908 in der ehemaligen Tilsiter-Straße, woher auch der Name stammt. Im Erdgeschoss eines Altberliner Hauses wurde es zunächst von einer Familie betrieben, 1961 musste sich der damalige Betreiber dem hohen Druck der Konkurrenz beugen. Erst 1994 wurde das Kino saniert und zurück gebaut. Mit weniger als 50 Plätzen ist es nun integriert in eine Kneipe.

Der Grund für die hohe Forderung soll in der allgemeinen Mietpreiserhöhung liegen. "Der Vermieter sagt, dass die umliegenden Wohnung ebenfalls teurer werden, so dass auch wir damit leben müssten", sagte Betreiber Zahn. Im schlimmsten Falle würden aus seiner Sicht zum Ende des Monats die Schlösser ausgetauscht und die Kinobetreiber vor die Tür gesetzt werden.

Auf Bitten der Betreiber hat sich auch Bürgermeister Franz Schulz (Bündnis '90/Grüne) eingeschaltet und vermittelt zwischen den Parteien. "Wir haben lange miteinander diskutiert. Ich hoffe, dass es noch eine ordentliche Lösung geben wird", sagte Schulz, der die Bedeutung der Lichtspiele für den Bezirk hervorhob. "Das Kino ist Kultur- und Kommunikationspunkt für viele Menschen in dem Quartier. Das sollten wir schützen." Finanzielle Hilfe kann es seitens der Bezirksbehörden dennoch nicht geben. "Das ist leider nicht möglich. Aber ich werde mich weiter für eine Lösung einsetzen", so Schulz.