Auch Werkzeugmaschinen brauchen ein Outfit

Die Maschine sah aus wie Kiste mal Karton. Als sich die angehenden Produktionsdesigner Jan Vietze und Thoralf Keipert zum ersten Mal den Entwürfen dieser neuen Konstruktion zum Schleifen von Zahnrädern näherten, wirkte deren Äußeres quadratisch, praktisch und funktional. Nicht mehr und nicht weniger. Dabei, so die beiden Studenten der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (KHB), wird Design aufgrund der internationalen Konkurrenz auch bei Werkzeugmaschinen immer wichtiger.

Bei dieser Erkenntnis handelt es sich nicht unbedingt um eine Einsicht, die von allen Maschinen-Herstellern gleichermaßen geteilt wird. Bis vor kurzem war das Outfit in diesem Bereich nur praktischen Erwägungen geschuldet. Nicht Designer, Ingenieure bestimmten Form und Farbe.

Doch die Zeiten haben sich geändert, weshalb der entsprechende Hersteller von Werkzeugmaschinen aus Berlin eine Kooperation mit der Kunsthochschule einging. Die Lösung, die die Studenten anboten, überzeugten die Fachleute. Was an Veränderungen finanziell tragbar war, wurde umgesetzt. Noch bis zum 28. September ist ihre Arbeit neben anderen aus dem Bereich Produkt-Design in der "Sammlung Industrielle Gestaltung" an der Knaackstraße 97 zu sehen.

Der Erfolg der beiden Nachwuchsdesigner ist für die renommierte KHB kein Einzelfall. Sie zählt, wie kürzlich ein amerikanisches Fachmagazin festgestellt hat, zu den sechs besten Hochschulen für Design weltweit. Umso härter trifft es sie nun, dass auch an ihr mal wieder gespart werden soll. Derzeit wird zwischen der KHB und dem Senat ein neuer Vertrag ausgearbeitet. Den ersten Entwurf, nachdem die Kunsthochschule bereits im kommenden Jahr 331 000 Euro und 2005 noch einmal 39 000 hätte einsparen sollen, wurde von Rektor Rainer Ernst verworfen. "Es macht bei weiteren Einsparungen einfach keinen Sinn mehr, die Einrichtung weiterzuführen." Irgendwann müsse man eben in den sauren Apfel beißen und zugeben, dass Berlin vielleicht nur noch die Universität der Künste finanzieren könne.

Damit die Größenordnung deutlich wird, um die es bei der Kunsthochschule geht: Sie hat einen Etat von 6,5 Millionen Euro im Jahr, was in etwa eine halbe Million weniger ist als die Summe, die das Land Berlin am Tag für seine Schulden zahlen muss. Auf der anderen Seite werden rund 700 Studenten an der KHB unterrichtet, von denen 100 Austauschstudenten aus der ganzen Welt sind. Da insgesamt zehn verschiedene Fachwerkstätten für die Nachwuchsdesigner betrieben werden müssen, rechnet sich die Einrichtung bei einem weiteren Abbau von Studienplätzen oder anderen Sparmaßnahmen nicht mehr.

Weißensee, Teil 6