Architektur

Entenrennen für die Gedächtniskirche

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Alexander Krex

Dass Bierkästen den Regenwald retten können und moderne Motoren die Stadtluft, ist bekannt. Neu hingegen ist, dass Gummienten es vermögen, die Berliner Gedächtniskirche vor dem Verfall zu schützen.

Eine pfiffige Rettungsaktion für den durch Umwelteinflüsse bedrohten Turm der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche soll nämlich über den Verkauf von kleinen Entchen finanziert werden, die seit Montag in Charlottenburg unter anderem in allen dortigen Kaiser's-Filialen zum Verkauf stehen.

Jeder, der fünf Euro investiert, erwirbt eine Startgenehmigung für seine Ente. Die soll am 13. September auf der Spree auf 222 Metern gegen die Konkurrenz aus Gummi anschwimmen. Die Besitzer der Enten, die zuerst im Ziel einlaufen, erwarten verschiedene Preise. Etwa einen Opel nach Wahl für einen Monat aus dem Hause Hetzer, einem der Sponsoren.

Erfinder des Benefizrennens ist der Geschäftsführer des Eventservices "Rush Hour", Christian Dettmer. Er sagt: "Wir hoffen mindestens 5000 Entchen verkaufen zu können." Von den fünf Euro pro Gummitier kommen mindestens zwei Euro der Kirche zu Gute. Außerdem alle weiteren Einnahmen, die die Kostendeckung übersteigen, sagt Dettmer. Er empfindet es als die Pflicht aller Berliner, solch ein wichtiges Denkmal zu erhalten.

Das sieht auch Monika Thiemen, Bezirksbürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf, so: "Der Kirchturm, den ich nur als Ruine kenne, hat eine große Bedeutung für mich." Am Montag erwarb sie deshalb auch das erste von hoffentlich vielen gelben Entchen.

Bei der Sanierung geht es vor allem um die Fugen des Turms. Die müssten dringend erneuert werden, erklärt Pfarrerin Cornelia Kulawik. "Das betrifft besonders die Wände der Ruine, die nie als Außenwände gedacht waren."

Schon seit Mai dieses Jahres kann man deshalb auch Fugenpate werden. Die Patenschaften kosten von 100 bis 5000 Euro, je nachdem, in welcher Höhe am Turm sie liegen. Publik werden die Aktionen für den Schutz des Berliner Wahrzeichens unter anderem durch ein sogenanntes Freiflächensponsoring der Wall AG. Sie stellt der Initiative deutschlandweit 2000 beleuchtete Außenwerbeflächen kostenlos zur Verfügung.

Das Entenrennen ist eine Premiere für die Hauptstadt. Während diese Art, Geld für gemeinnützige Zwecke zu sammeln, vor allem in Süddeutschland sehr verbreitet ist, wurde in Berlin bisher noch nicht um die Wette geschwommen.