Mehringdamm - Szenemeile für Lesben und Schwule

Arm in Arm schlendert das Frauenpärchen den Mehringdamm entlang. Essen mit Thomas und Micha im Kaiserstein, dann ein Cocktail in der Barbie Bar oder ein Bier im Bargelb? Oder gleich zur Party ins SchwuZ, vorher aber noch wach werden bei einem Capuccino im Sundström? Lesben und Schwule haben im ehemaligen Kreuzberg 61 entlang des Mehringdamms, zwischen Gneisenau- und Fidicinstraße, beim Ausgehen die Qual der Wahl.

Zentrum, Magnet und Ausgangspunkt der Schwulenbewegung im Kiez ist der Hof am Mehringdamm 61. Seit 1989 hat die Allgemeine Homosexuelle Aktion (AHA) dort ihr Domizil, 1990 zog das Schwule Museum ein, 1995 folgten das Schwulenzentrum (SchwuZ) und das Café Melitta Sundström.

Der Verein AHA, 1974 gegründet, begreift sich als nichtkommerzieller Treffpunkt, der verschiedenen Gruppen Raum für Aktionen bietet. Das SchwuZ, 1977 gegründet und zunächst an der Kulmer Straße in Schöneberg beheimatet, zog 1987 an die Hasenheide. Dort hatten Künstlerinnen und Künstler wie Cora Frost, die Teufelsberger und Rosenstolz ihre ersten Auftritte. 1995 zog das SchwuZ dann an den Mehringdamm, der Verein Ehrenamtlicher gründete eine Kulturveranstaltungs-GmbH, vermietet die Kellerräume auch an andere Partyveranstalter der Szene weiter. Dass dazu inzwischen auch eine Party für Frauen gehört, war vor einigen Jahren noch nicht selbstverständlich. "Vielleicht ist es für Schwule und Lesben in Berlin leichter, sich zu mischen, weil es hier kein Problem mehr ist, offen homosexuell zu leben", sagt SchwuZ-Geschäftsführer Stephan Hankammer.

Darüber, wie schwierig das in der Vergangenheit war, kann man sich im Schwulen Museum informieren. Archiv, Präsenz-Bibliothek und wechselnde Ausstellungen widmen sich der Erforschung schwulen und zunehmend auch lesbischen Lebens in Berlin. Die Initialzündung gab die viel beachtete Ausstellung "Eldorado" 1984 im Berlin Museum zu Geschichte, Alltag und Kultur homosexueller Frauen und Männer in Berlin von 1850-1950.

Das Museum finanziert sich über Mitgliedsbeiträge eines Freundeskreises, Eintrittsgeld, Spenden und die Arbeit von Ehrenamtlichen.

Ende 2003 ist eine kulturhistorische Ausstellung zur Homosexuellenbewegung nach 1945 bis 1970 geplant.

"Wir suchen noch dringend Zeitzeugen, insbesondere Frauen, die uns vom Leben in dieser Zeit in Berlin erzählen - auch anonym", sagt Projektleiter Karl-Heinz Steinle. Außerdem werden Fotos von Lokalen und Bars, in denen sich Schwule und Lesben aufhielten, benötigt. Wer dem Schwulen Museum helfen möchte, kann sich mit Karl-Heinz Steinle oder Maika Leffers unter 695 59 90 50 in Verbindung setzen.