Chinesisch für Anfänger

Keine zwölf Wochen mehr bis zu den olympischen Spielen. Die Eröffnungsfeier beginnt in Peking am Freitagabend des 8. Augusts, exakt acht Minuten nach acht.

Keine zwölf Wochen mehr bis zu den olympischen Spielen. Die Eröffnungsfeier beginnt in Peking am Freitagabend des 8. Augusts, exakt acht Minuten nach acht. Die ungewöhnlich erscheinende Zeit hängt mit der chinesischen Symbolik zusammen: Das Wort "Acht" steht in China und chinesisch orientierten Ländern für Glück, Segen, Reichtum, Sieg und Begeisterung. Wer solche Zusammenhänge als lächerlich oder unerheblich abtut, könnte es als westlicher Geschäftsmann oder -frau in China schwer haben. Chinesische Kommunikation umfasst weit mehr als nur das Vokabular, bestätigt Yuhong Li. Die Dozentin für Chinesisch-Kurse an der Volkshochschule Steglitz-Zehlendorf kam vor gut 20 Jahren als Stipendiatin nach Berlin und blieb. Inzwischen kennt sie sich in beiden Kulturen bestens aus. "Die Sprache zu verstehen und zu sprechen ist die eine Seite. Doch wer in China erfolgreich sein möchte, braucht mehr: Ein Verständnis für das, was hinter den Worten steht."

Eine ungewohnte Sprache

Was den Spracherwerb angeht, macht Li Anfängern Mut. Zwar ist Chinesisch, gerade im Vergleich zu den gängigen Fremdsprachen wie Englisch, Spanisch oder Französisch, für deutsche Zungen nicht einfach zu lernen, doch davon solle man sich nicht abschrecken lassen: "Es ist eine für Europäer ungewohnte Sprache, die jedoch mit Lust und Lernbereitschaft zu meistern ist", sagt Li. Besonders der Sprachrhythmus der Einzel-Zeichen und Einzel-Silben sei oft ungewohnt und auch das Erlernen der Schriftzeichen dauere seine Zeit. Doch mit regelmäßigem Üben, sei auch dies zu machen. "Es geht zunächst darum, ein Zeichen und dessen Aussprache zu erkennen, denn daraus ergibt sich die Bedeutung. Kommt ein weiteres Zeichen hinzu, kann sich die Bedeutung verändern - das muss man lernen." Zudem gehen gerade die Deutschen in der Regel von einer logischen Ableitung aus, der Chinesisch nicht immer entspricht, weiß Li: "Chinesisch ist eine Bildsprache, die am besten aus dem Wissen um die chinesische Kultur und Tradition heraus verstanden wird."

Auch Korinna Oehring, Außenwirtschaftsreferentin für China, Japan und Taiwan bei der Behörde für Wirtschaft in Hamburg, unterstreicht die Relevanz der chinesischen Kultur: "Ohne ein Verständnis der chinesischen Mentalität ist die Durchdringung der Sprache eigentlich kaum möglich." Wer also etwa vor einem Auslandsaufenthalt in China steht, sollte sich deshalb neben den Grundbegriffen der Sprache auch ein erstes Verständnis der chinesischen Gepflogenheiten erarbeiten. Oberstes Gebot: Ausgesuchte Höflichkeit. Bei Tisch ist Experimentierlust gefragt. Von allen Speisen wenigstens zu probieren ist ein Gebot der Höflichkeit - besonders vor dem Hintergrund, dass in China vor dem Geschäft der Beziehungsaufbau steht. Und dazu bietet ein gemeinsames Essen eine gute Gelegenheit. Dabei lohnt sich auch eine finanzielle Investition. "Die Einladung zu einem teuren Essen wird als Respektsbekundung dem Geschäftspartner gegenüber gewertet", erklärt Oehring. Zudem gelte bei Tisch: "Nicht alles aufessen, sondern immer einen Rest liegen lassen. Wer seinen Teller leer isst, sagt damit: Ich habe noch Hunger - und bekommt immer und immer nachgelegt", so die Sinologin.

Missverständnisse

Als hilfreicher Satz könnte sich gerade beim Erstkontakt die Nachfrage: "Wie lautet Ihr Nachname?" erweisen. Wie in Deutschland ist auch in China die Ansprache mit dem Familiennamen oder Titel üblich. Li kennt die kulturell bedingten Missverständnisse: Die von ihr geschätzte deutsche Tugend "Genauigkeit" beispielsweise sei im Smalltalk mit Chinesen eher fehl am Platze: "Wenn ein Chinesischer Geschäftsmann seinen Deutschen Kollegen etwa fragt: "Wie groß ist Ihr Büro?' erwartet er keine genaue Quadratmeterangabe." Die typisch Deutsche Reaktion sei nämlich oft ein perplexes "Ich weiß es nicht', da der Angesprochene höchstwahrscheinlich nie sein Büro ausgemessen hat. "Der Chinese wollte mit seiner Frage jedoch nur sein Interesse am Beruf und dem Arbeitsumfeld des Anderen bekunden." Also einfach einen Vergleich ziehen und etwa sagen: "Ungefähr so groß wie dieser Raum in dem wir uns befinden", rät Li.

Konkrete Ausdrucksweise selten

Gerade die konkrete Ausdrucksweise der Deutschen ist für Chinesen eher ungewohnt. "Und es wird nicht sehr geschätzt, zu einer "Ja"- oder "Nein"-Antwort gedrängt zu werden. Das wird schnell als grob empfunden", erklärt Oehring.

Die Chinesen machten mehr Worte und umschreiben ihre Meinung lieber. Allerdings warnt Korinna Oehring, sich nicht von der Sprache täuschen zu lassen. Auch wenn sich Chinesen gern blumig bis ausweichend ausdrücken, "hinsichtlich ihrer geschäftlichen Ziele wissen sie ganz genau, was sie wollen. Nicht umsonst ist China eine der erfolgreichsten Wirtschaftsnationen."

Das GLS Sprachenzentrum Berlin bietet Mandarin-Kurse an. So lernen am Prenzlauer Berg in vier- bis fünfwöchigen Gruppen-Kursen sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene den chinesischen Dialekt. Einzelunterricht ist auf Anfrage ebenfalls möglich.

Im Netz:

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