Der EU-Markt wird flexibler

Britische oder auch niederländische Verhältnisse wünschen sich deutsche Zeitarbeitsunternehmen für den Arbeitsmarkt.

Britische oder auch niederländische Verhältnisse wünschen sich deutsche Zeitarbeitsunternehmen für den Arbeitsmarkt. Obwohl die Zeitarbeit in Deutschland mit mehr als fünf Jahrzehnten eine lange Tradition hat, ist sie längst nicht so populär wie in den Nachbarländern. Die Folge: Nur 1,4 Prozent aller Beschäftigten bundesweit sind Leiharbeiter, wie Zeitarbeiter eigentlich nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz genannt werden.

Ganz anders in Großbritannien. Der Blick in Londoner Tageszeitungen zeigt es: Spaltenweise sind dort Arbeitsangebote für Zeitarbeitskräfte zu finden - so viel wie in keinem anderen europäischen Land.

Inzwischen machen britische Zeitarbeitskräfte etwa 4,5 Prozent der gesamten Beschäftigungsquote aus. Britische Unternehmen nutzen gerne externes Wissen für bestimmte Projekte. Und Briten betrachten Zeitarbeit einfach auch als lukrative Nebenbeschäftigung, um zusätzlich Geld zu verdienen.

Auch bei den Niederländern gehört Zeitarbeit zum alltäglichen Arbeitsleben. Während sich in Deutschland vor allem Männer auf Leiharbeit einlassen, sind es im Nachbarland zur Hälfte Frauen, die in sogenannten "Arbeitnehmerüberlassungen" einen Arbeitsplatz haben.

Der Zeitarbeitsmarkt in Deutschland hinkt auch hinter dem in Frankreich und Belgien hinterher. In diesen Ländern sind bis zu drei Prozent der Erwerbstätigen Leiharbeiter.

Der Grund für das schlechte Abschneiden im europäischen Vergleich liegt wohl vor allem in den deutschen Arbeitsgesetzen der zurückliegenden Jahrzehnte, die einer positiven Entwicklung des Zeitarbeitsmarktes im Wege standen. Erst die ab Mitte der 1970er-Jahre einsetzenden Reformen lockerten die Rahmenbedingungen für Zeitarbeit, so auch hinsichtlich der Überlassungshöchstdauer Beschäftigter an Firmen. Zudem sorgten der Gleichbehandlungsgrundsatz und auch die Liberalisierung des Entleihverbotes im Baugewerbe für einen enormen Schub auf dem Arbeitsmarkt.

Laut einer Ende vergangenen Jahres veröffentlichten Studie des europäischen Dachverbandes der Zeitarbeitsbranche Eurociett "More work opportunities for more people" beschäftigen Zeitarbeitsunternehmen europaweit gegenwärtig bereits 3,3 Millionen Mitarbeiter. Bis zum Jahr 2012 erwarten Experten einen Job-Zuwachs von weiteren 2,1 Millionen. In Deutschland sei besonders im Bereich der Dienstleistung eine steigende Nachfrage zu beobachten, sagt Thomas Läpple vom Bundesverband Zeitarbeit (BZA). Bislang seien in dieser Branche etwa 15 Prozent der Leiharbeiter beschäftigt.

Auch Professor Klaus Zimmermann, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), sieht verglichen mit anderen europäischen Ländern und auch angesichts des Flexibilisierungsanspruchs der Wirtschaft "durchaus noch erhebliches Potenzial" auf dem deutschen Arbeitsmarkt.