Lernen im Baukastensystem

Was Ende 2006 von der Randstad Stiftung als Pilotprojekt ins Leben gerufen worden ist, wurde vor wenigen Wochen als branchenweites Qualifizierungsangebot ausgeweitet.

Was Ende 2006 von der Randstad Stiftung als Pilotprojekt ins Leben gerufen worden ist, wurde vor wenigen Wochen als branchenweites Qualifizierungsangebot ausgeweitet. Ab sofort können gering qualifizierte Zeitarbeitnehmer bei allen teilnehmenden Zeitarbeitsfirmen während ihrer Arbeitseinsätze Qualifizierungsmodule absolvieren und so einen zertifizierten Abschluss als Lager-, Büro- oder Produktionsassistent erhalten.

Das Konzept setzt auf ein bekanntes Prinzip, das sich seit Jahrzehnten auch im Bereich der beruflichen Bildung bewährt: die Idee vom "learning by doing", also vom Lernen im Prozess der Arbeit und dem damit einhergehenden Erwerb von Fähigkeiten und Kenntnissen. Dieses Verfahren wird nun erstmalig auch für die Qualifizierung von Zeitarbeitnehmern angewandt.

"Die Zeitarbeitnehmer erhalten kostenlos einen Qualifizierungspass und durchlaufen während ihrer Kundeneinsätze verschiedene Lernmodule. Diese werden in dem Pass vom Arbeitgeber dokumentiert", erklärt Hans-Peter Brömser, geschäftsführender Vorstand der Randstad Stiftung. "Nach der erfolgreichen Absolvierung aller Module kann der Zeitarbeitnehmer eine Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) oder dem TÜV Rheinland ablegen."

Auf diesem Weg können auch geringer qualifizierte Zeitarbeitnehmer ihre Kenntnisse dokumentieren und verbessern so ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die Aus- und Weiterbildungsmaßnahme ist wie ein Baukastensystem aufgebaut. Die einzelnen Lernmodule können zwischen 14 Tagen und sechs Monaten dauern. Als Beispiel nennt Brömser die Lerneinheit Güterannahme und Güterkontrolle. Diese dauert vier Wochen und muss absolviert werden, wenn man den Abschluss zum Lagerassistenten machen möchte. Dementsprechend lang ist auch der Weg zur Abschlussprüfung. Da verschiedene Lerneinheiten zeitgleich während der Arbeit stattfinden können, ist eine Prüfung frühestens nach sechs Monaten möglich. Bis der Zeitarbeitnehmer alle Lernmodule in seinem Pass dokumentiert hat, können aber auch zwei bis drei Jahre bis zur Abschlussprüfung vergehen.

"Alle Lernmodule können jedoch über die Arbeitseinsätze bei den verschiedenen Zeitarbeitgebern erworben werden", erklärt Hans-Peter Brömser. "Ein Lizenzvertrag zwischen der Randstad Stiftung und den Zeitarbeitsunternehmen garantiert die Beibehaltung etablierter Standards und die Qualität der Ausbildung." So würden die Menschen beim Arbeiten automatisch zusätzliche Fähigkeiten und Kompetenzen erwerben, während der Weiterbildungsmaßnahme entstehen keine Kosten.

"Menschen ohne eine Ausbildung haben am Arbeitsmarkt wenig Chancen, obwohl viele von ihnen in der Lage sind, zuverlässig und produktiv zu arbeiten", sagt Brömser. "Mit der Ausweitung des Konzepts auf andere Zeitarbeitsunternehmen etablieren wir ein branchenweites Qualifizierungsmodell und leisten einen wichtigen Beitrag zur Anerkennung von Zeitarbeit als moderne Arbeitsform." Nach Angaben des Geschäftsführers beteiligen sich bislang rund 5000 Personen an dem Projekt.

www.randstad-stiftung.de