Neuer Wind in den Gewerkschaften

In keinem Bereich wurden in den vergangenen Jahren so viele neue Jobs geschaffen wie in der Zeitarbeitsbranche.

In keinem Bereich wurden in den vergangenen Jahren so viele neue Jobs geschaffen wie in der Zeitarbeitsbranche. Seit 1997 hat sich die Zahl der Arbeitnehmer in diesem Sektor laut Bundesagentur für Arbeit von etwa 200 000 auf über 730 000 mehr als verdreifacht. Vor allem seit dem Wirtschaftsboom im Jahr 2006 hat die Branche noch einmal stark zugelegt. Über 7700 Firmen vermitteln heute allein in Deutschland Personal. Nachholbedarf besteht trotz schnellen Wachstums auf Seiten der Arbeitnehmervertreter. Denn noch haben sich keine Organisationen von und für Zeitarbeiter beziehungsweise spezielle Gewerkschaften gebildet, die sich ausschließlich um die Belange dieser wachsenden Berufsgruppe kümmern. Allerdings haben die großen Gewerkschaften den stark gestiegenen Bedarf nach Rat längst erkannt und unterstützen nun auch Leiharbeiter bei Konflikten oder aktuellen Fragen.

"Die Zeitarbeit ist ein klassisches Dreiecksverhältnis. Der Arbeitnehmer schließt den Vertrag mit einer Verleihfirma, ist aber bei der Entleihfirma beschäftigt", sagt Gerd Denzel, Bereichsleiter Tarifkoordination bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. "Der Arbeitnehmer ist also Diener zweier Herren gleichzeitig", beschreibt er das Grundproblem der Verantwortlichkeit.

Denn rein rechtlich gesehen sind die Verleihfirma und deren Betriebsrat für die Leiharbeitnehmer zuständig. In Deutschland verfügt aktuell nur der Personaldienstleister Randstad über solch ein Gremium.

"Wenn also das Zeitarbeitsunternehmen keinen Betriebsrat besitzt, müssen sich die Angestellten im Zweifelsfall selbst um ihre Rechte kümmern. Das ist oft schwierig. Denn wer zum Beispiel gegen Missstände bei schwarzen Schafen in der Branche etwas unternehmen will, verliert in der Regel seinen Job", sagt Gerd Denzel. Wer Mitglied bei Verdi sei, habe jedoch Anspruch auf Rechtsschutz. Auch könnten sich die Betriebsräte der Entleihfirmen durchaus beim Arbeits- und Gesundheitsschutz für die Leiharbeiter einsetzen.

Der Schutz von Arbeitnehmer-Interessen in der Zeitarbeit ist auch bei der IG Metall ein zentrales Thema. Denn rund 60 Prozent der Leiharbeiter sind in der Metall- und Elektrobranche tätig. "ZOOM" nennt sich das Netzwerk der IG Metall, das in sieben Regionen Deutschlands Arbeitskreise für diese Beschäftigten aufgebaut hat. Unter der Rubrik "ZOOM vor Ort" sind auf der gewerkschaftseigenen Internet-Seite www.igmetall-zoom.de neben einem Forum mit Beiträgen rund um das Thema Zeitarbeit die Kontakte zu den Verwaltungsstellen der IG Metall samt Ansprechpartnern aufgeführt.