Master-Titel ist oft ein Türöffner

Über mangelnde Job-Angebote konnte Marc Sommer nach dem Studium nicht klagen. Vier Jahre lang hatte der Kölner an der renommierten European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel Betriebswirtschaft studiert und als Diplomkaufmann abgeschlossen.

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Über mangelnde Job-Angebote konnte Marc Sommer nach dem Studium nicht klagen. Vier Jahre lang hatte der Kölner an der renommierten European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel Betriebswirtschaft studiert und als Diplomkaufmann abgeschlossen. "Die EBS wirkte wie ein Türöffner bei den Bewerbungen. Zum Bewerbungsgespräch wurde man eigentlich immer eingeladen", erinnert sich Sommer.

Dementsprechend groß war die Auswahl. Google, 1 & 1, Vodafone - Sommer hatte die Qual der Wahl, nachdem er die erste Stelle beim Discounter Aldi schon nach kurzer Zeit hingeschmissen hatte. Von der Pike auf sollten die Einsteiger dort das Filialgeschäft kennenlernen. Mit dem äußerst rigiden Führungsstil konnte sich der EBS-Absolvent allerdings nicht anfreunden.

Beim zweiten Arbeitgeber, dem Mobilfunker Vodafone in Düsseldorf, machte Sommer schnell Karriere. Eineinhalb Jahre nach dem Einstieg übernahm der heute 27-Jährige Anfang 2007 die Verantwortung für das Marketing im Bereich kleine Geschäftskunden, wurde damit jüngster Abteilungsleiter. Der zügige Aufstieg zahlt sich auch beim Gehalt aus. Doch grundsätzlich gilt: "Es gibt nicht per se einen EBS-Bonus beim Einstieg." Das bestätigen auch führende Consultingfirmen, die für viele Absolventen von Business Schools auf der Liste der Wunscharbeitgeber ganz oben stehen.

"Für uns spielt es keine Rolle, ob ein Hochschulabsolvent seinen Abschluss an einer Business School oder an einer Universität gemacht hat", sagt Thomas Fritz, Director of Recruiting bei McKinsey. Das Gehalt richte sich nach der Art des Einstiegs bei McKinsey, der vom Abschluss abhinge. Absolventen mit Promotion oder MBA stiegen zum Beispiel beide als Associate ein und erhielten dementsprechend das gleiche Gehalt.

Sandra Naumann hat der Besuch der Goethe Business School (GBS) immerhin einen Gehaltssprung im zweistelligen Prozent-Bereich gebracht. Anders als Marc Sommer studierte sie jedoch zunächst BWL an der Berufsakademie Mannheim. "Dann wollte ich noch einen international anerkannten Abschluss aufsatteln", sagt die 33-Jährige. An der GBS machte sie in zwei Jahren berufsbegleitend ihren Executive MBA. Ein Engagement, das auch ihr Arbeitgeber Fraport honorierte. Die Eigentümerin und Betreiberin des Frankfurter Flughafens übernahm einen Teil der Studiengebühren von gut 46 000 Euro und beförderte Naumann zum Senior Manager. Die lange Doppelbelastung aus Studium und Beruf sowie die hohen Kosten würde Naumann jederzeit wieder in Kauf nehmen. "Ich habe beruflich extrem viel dazu gelernt, vor allem deshalb, weil man nicht mehr bei Adam und Eva anfängt", sagt Naumann.

Wie Naumann setzen immer mehr deutsche Manager auf den Besuch einer Business School, um sich mit einem MBA-Abschluss weiter zu qualifizieren. Ohne Eigeninitiative geht es nicht. Vier von fünf Unternehmen ermöglichen ihren Mitarbeitern die Teilnahme an MBA-Programmen. Die Auswahl der geförderten Mitarbeiter erfolgt aber in 75 Prozent der Fälle aufgrund des eigenen Engagements. Das ergab eine Studie der Deutschen Telekom und der Goethe Business School, bei der allerdings nur 90 Firmen befragt wurden. Immerhin übernimmt jede dritte Firma die vollen Studiengebühren, und 53 Prozent beteiligen sich zumindest daran. Beim Gehalt macht sich der MBA hingegen kaum bemerkbar. Nur vier Prozent sehen ein höheres Gehalt als Folge der Zusatzausbildung.

Die Karrierechancen, da sind sich Absolventen und Personalchefs einig, kann der Abschluss an einer der Eliteschulen allemal verbessern. "Bewerben sich Absolventen von der EBS, schaut man schon sehr genau und offen hin", sagt Astrid Teckentrup, die selbst die EBS bis 1991 besuchte und dort ihren Diplom-Kaufmann machte. Wie bei Marc Sommer zählten Top-Adressen der deutschen Wirtschaft wie Mars, Procter&Gamble, McKinsey sowie die Boston Consulting Group zum Kreis der Unternehmen, die Interesse zeigten. "Die EBS ist eine gute Eintrittskarte, im Verlauf muss sich jeder natürlich selbst beweisen", sagt Teckentrup, die heute bei Procter&Gamble arbeitet.

Inwiefern die Business School die Karriere puscht, hängt nicht zuletzt von der Adresse ab. "Die deutschen MBA-Abschlüsse sind momentan in der Breite noch nicht so anerkannt wie die internationalen", sagt Melanie Bühler, Senior Advisor Human Resources bei Roland Berger. Solle ein Turbo für die Karriere eingelegt werden, sei das nur mit einem Abschluss im Ausland möglich. Über die Top-Schulen geben regelmäßig Rankings in der Financial Times oder der Business Week Auskunft. Den Sprung unter die Besten haben in Europa erst wenige geschafft, zum Beispiel die Insead in Fontainebleau bei Paris oder die London Business School.

Doch längst nicht alle Top-Unternehmen bejubeln die MBA-Abschlüsse. Unter den Kritikern: BMW-Personalvorstand Ernst Baumann: Die MBA-Programme seien in der Regel auf die Vermittlung von betriebswirtschaftlichem Wissen und General-Management-Wissen sehr breit angelegt und hätten nicht die spezifischen Unternehmensbelange im Auge. Eine Unterstützung beim MBA-Studium sei deshalb eine "absolute Ausnahme".