"Mode zu machen, ist harte Arbeit"

Während sich der Durchschnittsbürger gerade mit neuen Kleidungsstücken für den kommenden Sommer eindeckt, ist Veronika Ostendorf gedanklich schon ein Jahr weiter.

Während sich der Durchschnittsbürger gerade mit neuen Kleidungsstücken für den kommenden Sommer eindeckt, ist Veronika Ostendorf gedanklich schon ein Jahr weiter. Hinter dem Schreibtisch der Chefdesignerin des Berliner Modehauses Umlauf & Klein hängen die Entwürfe für den Sommer 2009. Auf den Zeichnungen tragen schmale weibliche Gestalten Shorts, dazu kurze Jacken mit diversen Taschen im Brust- und Schoßbereich.

Der Name Ostendorf ist lediglich in Fachkreisen bekannt und wird nicht genannt, wenn Stars über den roten Teppich laufen und vermelden, wer ihre Abendrobe entworfen hat. Dafür sieht man die Kleidung, die sie entworfen hat, täglich auf der Straße. Umlauf & Klein ist auf Damenoberbekleidung spezialisiert und hat 100 Mitarbeiter in Berlin. Produziert wird in Asien und Polen.

Auf junge Menschen hat die Welt der Mode eine magische Anziehungskraft. "Der Beruf des Modedesigners zählt nach wie vor zu den beliebtesten Berufen beim Nachwuchs", sagt Bettina Maurer von der Fachzeitschrift "Textilwirtschaft". Doch das Berufsbild des Modedesigners, das in den Köpfen der Öffentlichkeit herumspukt, hat wenig mit der Realität gemein. Professor Rolf Rautenberg, Dozent an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, weiß, was Interessenten für den Job mitbringen müssen: "Die drei wichtigsten Eigenschaften sind ein gutes gestalterisches Gefühl, technisches Verständnis und kaufmännisches Talent."

Ein sicherer Umgang mit Farben und Materialien sei ebenfalls wichtig. Entgegen den gängigen Vorstellungen muss ein Modedesigner nach Angaben von Rautenberg nicht perfekt zeichnen können. Wichtiger sei, dass er es schaffe, Kreativität und technisches Know-how zu verbinden.

"Die Wenigsten starten ein Modedesign-Studium mit dem Traum, in einem Industrieunternehmen zu arbeiten", sagt Karin Lilienthal, Direktorin der fahmoda Berufsfachschule für Modedesign und Damenschneiderei. Dabei bietet die Textilindustrie den Absolventen der Modedesign-Studiengänge die größten Chancen auf einen Job. "Etwa zwei Drittel unserer Schüler starten ihre Karriere in der Wirtschaft", sagt die Schulleiterin. "Die Anderen zieht es zum Film, zum Theater oder in den Modejournalismus. Ungefähr ein bis zwei pro Jahrgang sind mutig genug, ihr eigenes Label zu gründen."

Gut 20 Modedesigner werden in Hannover jährlich ausgebildet. Von dem Jahrgang, der im Februar entlassen wurde, haben nach Angaben Lilienthals etwa 75 Prozent bereits eine Anstellung gefunden: "Aktuell ist ein Wandel im Gang, die Branche ist wieder im Aufwind. Jung-Designer sind gefragt." Viele Modeschüler unterschätzen zu Beginn ihrer Ausbildung. den Stressfaktor und die wirtschaftlichen Zwänge, denen Mode-Designer bei ihrer Arbeit unterworfen ist. Für vier Kollektionen jährlich ist die Design-Abteilung von Umlauf & Klein zuständig. Ideen werden bei Messen gesammelt und bei dem so genannten Store-Check statt. Mit einem Notizblock und - wenn es erlaubt ist - auch mit einer Digitalkamera wird festgehalten, was Luxus-Marken im Angebot haben. "Anschließend setzen wir uns zusammen und dann bildet sich meist schnell eine Linie heraus", meint die Designerin, in deren Abteilung zwei weitere Designerinnen und vier Assistentinnen arbeiten. "Unsere Entwürfe müssen sich auch immer mit vergangenen Kollektionen und mit dem Stil des Hauses verbinden." Eine wichtige Vorgabe ist auch der Rahmenplan der Abteilung Produktmanagement, der festlegt, wie viele Teile die Kollektion umfasst und wie sie sich zusammensetzen wird.

"Mode zu machen, ist harte Arbeit. Man reist nicht nur in der Weltgeschichte herum und schwelgt in Farben", sagt Ostendorf. Dann erzählt sie, dass sie immer wieder mit Jung-Designerinnen zu tun hat, die sich in der harten Welt der Textilbranche nur schlecht zurechtfinden. "Die Ausbildung ist an einigen Schulen nicht gerade realitätsnah", meint sie. Trotz all der Detailversessenheit und den vielen Vorgaben, die der Kreativität mitunter einen Dämpfer versetzen, liebt sie ihren Job. "Es bleibt immer spannend, schließlich ist jede Kollektion ist ein Neubeginn."