Hier arbeitet man gern

Es kann nicht nur der kostenlose Espresso sein. Und gute Fortbildungs-Möglichkeiten oder gemeinsame Ausflüge gibt es in anderen Unternehmen auch.

Es kann nicht nur der kostenlose Espresso sein. Und gute Fortbildungs-Möglichkeiten oder gemeinsame Ausflüge gibt es in anderen Unternehmen auch. Was also ist das Geheimnis von 4flow? Was macht das Berliner Unternehmen so besonders, dass es jetzt sogar als einer der drei attraktivsten Arbeitgeber Deutschlands ausgezeichnet wurde - und als einziger Teilnehmer aus der Hauptstadt überhaupt unter die Top 50 kam?

Mobile Berater

Die 4flow AG ist ein renommierter Anbieter von Beratung und Software für die Logistik-Branche. Der Büroalltag ist hier eher ungewöhnlich. Denn vor allem die Berater, immerhin zwei Drittel der mehr als 60 Mitarbeiter, sind viel unterwegs: Von Montag bis Donnerstag sind diese "Consultants" in Teams direkt beim Kunden tätig, beraten beispielsweise Automobilhersteller oder Logistik-Dienstleister.

Freitags finden sich dann alle aus München, Österreich oder England wieder im Firmensitz in Berlin-Charlottenburg ein. Man trifft sich zum gemeinsamen Frühstück. Berater und Software-Entwickler, Manager und Praktikanten besprechen die vergangene Woche - und immer wieder auch gleich die Pläne fürs Wochenende. "Es gibt viele Freundschaften innerhalb der Belegschaft", sagt Marketing-Managerin Mai-Britt Subei. Auch das ist ein Zeichen für das gute Klima in dem jungen Team mit einem Durchschnittsalter von nur 32 Jahren.

Rund 60 Fragen stellte das "Great Place to Work Institute Deutschland" den Mitarbeitern von 4flow. Themen wie Glaubwürdigkeit, Respekt, Fairness, Stolz und Teamorientierung wurden behandelt. Die anonymen Antworten der Belegschaft wurden schließlich mit den Angaben der Führungsriege abgeglichen - und das Ergebnis war: Alle ziehen an einem Strang, arbeiten vertrauensvoll zusammen. So gut, dass 4flow 2008 in der Kategorie "Unternehmen bis 500 Mitarbeiter" sogar den zweiten Platz erreichte.

SAP, Dow und die Techniker Krankenkasse sind die Sieger in der Kategorie "große Unternehmen". Bei den mittelgroßen Unternehmen bis 5000 Mitarbeiter führte der Netzwerkspezialist Cisco. Beim Wettstreit der kleinen Firmen lag 4flow vor dem Personaldienstleister Vedior. Den ersten Platz belegt das Münchner Software-Unternehmen Consol.

Wochenlange Untersuchung

Insgesamt stellten sich zuletzt 252 der mehr als 60 000 Unternehmen, die ihren Standort in Deutschland und mehr als 50 Mitarbeiter haben, dem aus den Vereinigten Staaten stammenden Wettbewerb "Great Place to Work". Sie ließen wochenlang die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter untersuchen, die Arbeitsplatzkultur ihrer Firma analysieren. "Und das ist eine sehr komplexe Angelegenheit", erläutert Ansgar Metz vom "Great Place to Work Institute". "Es kann kein Aspekt isoliert betrachtet werden. Kommunikation, Arbeitszeiten, Stimmung im Team - alles fließt zusammen."

Allerdings hat das Institut in seinem mehr als 25-jährigen Bestehen einen zentralen Wert erkannt, ohne den - auch bei 4flow - gar nichts geht: Vertrauen. Mitarbeiter müssen sich auf Zusagen der Geschäftsleitung verlassen können und darauf, dass sie gefördert und unterstützt werden. Umgekehrt muss der Vorstand auf Einsatzbereitschaft und Solidarität der Mitarbeiter vertrauen können.

Susanne Moosdorf von 4flow sieht die Gründe für das gute Abschneiden des Unternehmens sieht sie bereits in den Ursprüngen der Firma begründet: "4flow war 2000 gerade erst gegründet worden, es gab noch kaum Mitarbeiter, da wurde meine Stelle bereits ausgeschrieben." Die Managerin ist zuständig für den Bereich "Human Resources" und damit für die Qualifikation und Motivation der Mitarbeiter. Dass ein Unternehmen bereits in der Gründungsphase viel Wert auf Mitarbeiterzufriedenheit legt, fand sie außergewöhnlich.

Und 4flow blieb bei seinem Ansatz: Die Strukturen der Firma sind transparent. "Wenn eine Nachwuchskraft eine gute Idee hat, klopft sie beim Vorstand an und trägt sie vor", sagt Moosbach. Dass dies keineswegs selbstverständlich ist, merken manche Kollegen dann, wenn sie zeitweise für einen anderen Arbeitgeber arbeiten. In aller Regel kehren sie bald wieder zurück.

Auch andere Aspekte des Arbeitsalltags basieren auf dem Vertrauen in die Einsatzfreude des Einzelnen. Jeder hat ein individuelles Weiterbildungsbudget, über dessen Verwendung er mit entscheiden kann. Für Eltern werden bei 4flow flexible Arbeitszeitmodelle entwickelt - und bei Bedarf auch mal Babysitter organisiert.

Eigenes Promotionsmodell

Berater Thorben Seiler schreibt gerade an seiner Doktorarbeit. Und das tut er ganz selbstverständlich im Büro: 4flow hat ein eigenes Promotionsmodell, in Kooperation mit Hochschulpartnern. Der 29-Jährige genießt nicht nur den freundschaftlichen Teamgeist innerhalb der Firma: "Dieses Arbeitsgefühl überträgt sich auch auf unsere Kunden. Alle sehen uns sofort als Teil ihres Teams. Die Kooperation funktioniert dadurch sehr gut."

Das kann Marketing-Managerin Mai-Britt Subei bestätigen: "Eine Befragung unserer Kunden ergab, dass sie neben ihrer Kompetenz vor allem die Individualität und partnerschaftliche Arbeitsweise unserer Mitarbeiter schätzen." Der allgemeinen Klage über den Mangel an kompetenten Fachkräften muss 4flow sich nicht anschließen.

Mit der guten Platzierung im deutschen Wettbewerb ist 4flow automatisch im Wettbewerb um die attraktivsten Arbeitsplätze Europas. Man darf gespannt sein.