Wenige in einer Männerwelt

Wie vergeistigte Einzelkämpferinnen, die einsam in ihrem Kämmerlein neue Techniken am Computer austüfteln, wirken sie nicht gerade.

Wie vergeistigte Einzelkämpferinnen, die einsam in ihrem Kämmerlein neue Techniken am Computer austüfteln, wirken sie nicht gerade. Im Gegenteil: Christina Kielblock (35) und Gabriela Hahn-Jung (41) treten als perfekte Botschafterinnen für ihren Job auf. Beide arbeiten als Ingenieurinnen bei Ford in Köln, fühlen sich zwar ab und an wie eine "orange Giraffe", aber Nachteile oder Vorurteile machen ihnen nicht zu schaffen. Vielleicht, weil sie schon früh geübt haben, sich als Frau in einer Männerdomäne zu Recht zu finden.

Zu zweit in Physik

"Im Physik-Leistungskurs waren wir zu zweit, im Informatik-Grundkurs saß ich sogar allein. Da fiel man auf wie ein bunter Hund", erinnert sich Christina Kielblock. Beim Maschinenbaustudium an der RWTH Aachen stürmten dann 700 Erstsemester die Hörsäle, darunter gerade mal 30 Studentinnen.

Wie in kaum einem anderen Beruf geben Männer bei Ingenieuren in Deutschland den Ton an. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ingenieurinnen steigt zwar kontinuierlich, aber vergleichsweise langsam. Wurden 1997 gut 59 900 Frauen in der Branche gezählt, waren es zehn Jahre später gerade mal rund 72 000, was einem Anteil am Arbeitsmarkt von elf Prozent entspricht. Gut vertreten sind die Frauen in den Fachrichtungen Architektur und Bauingenieurwesen (23 Prozent), während ihr Anteil in der Elektrotechnik und im Maschinenbau nur fünf Prozent beträgt. Der Anteil bei den weiblichen Studienanfängern, aber auch bei den Absolventen, liegt mittlerweile immerhin bei 20 Prozent. Beim Gang durch das John-Andrews-Entwicklungszentrum bei Ford in Köln begegnet man fast nur Männern.

Im Großraumbüro entwickelt die Kölnerin Kielblock Vorder- und Hinterachsen für den Focus-Nachfolger für den nordamerikanischen und chinesischen Markt. Teile, die leicht modifiziert werden, weil dort andere Fahrbedingungen herrschen und andere Materialien eingesetzt werden. Auch zehn Jahre nach Jobbeginn hat die Technik nichts an ihrem Reiz für die Ingenieurin verloren. "Im Moment fahre ich einen Volvo C 30 mit meiner Kupplung. Da sind die Früchte der Arbeit direkt sichtbar."

Gabriela Hahn-Jung, die an der FH Jülich physikalische Technik studiert hat und 1995 zu Ford kam, wagte fünf Jahre später den Sprung auf die andere Seite. Vom Fertigungsengineering wechselte sie in die Finanzabteilung, rückte vor drei Jahren zur Abteilungsleiterin auf, die die Preise der Ersatzteile festlegt, und übernahm damit bereits die zweite Führungsposition bei Ford. "Mich hat es fasziniert, über den Tellerrand hinauszuschauen", sagt sie. Technikverständnis helfe enorm in der Finanzposition.

Einen guten Job zu machen ist beiden offenbar nicht genug. Die Ingenieurinnen engagieren sich im Women's Engineering Panel bei Ford, das Initiativen zur Förderung von Frauen in technischen Berufen unterstützt, etwa durch das Henry-Ford-Stipendium für Maschinenbau-Studentinnen an der RWTH Aachen oder durch das Projekt "Try Ing", bei dem Schülerinnen in einem einwöchigen Schnupperstudium an der FH Köln und einer Projektwoche im John-Andrews-Entwicklungszentrum Ausbildungsinhalte des Maschinenbaustudiums sowie Fertigung und Produktentwicklung in der Automobilindustrie kennen lernen. Frauen fördernde Initiativen, auf die auch andere Unternehmen mit spezifischen Projekten und Netzwerken setzen.

Firmen helfen

"Um unsere Innovationskraft zu entfalten, können wir auf die technisch-naturwissenschaftlichen Potenziale von Frauen nicht verzichten", sagt Siegfried Russwurm, Personalvorstand der Siemens AG. Mit dem Mentoringprogramm Yolante begleiten die Münchner deshalb 420 junge Frauen durch ihr technisch-naturwissenschaftliches Studium.

Daimler umwirbt die Frauen beim Career Day unter dem Motto "Frauen am Steuer" und kooperiert beim Projekt "Sachen machen". Wenn sich das Engagement auszahlt, freut sich Hahn-Jung besonders. "Eine Teilnehmerin vom Schülerinnen-Infotag habe ich später an der RWTH Aachen wieder getroffen. Wieder eine Seele gerettet."