Im Dienst der Sicherheit

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Richard Rabensaat

Der stämmige Passagier, Kniebundhose, kariertes Hemd, Flugticket nach Osteuropa, öffnet den Koffer ungefragt.

Der stämmige Passagier, Kniebundhose, kariertes Hemd, Flugticket nach Osteuropa, öffnet den Koffer ungefragt. Eingelegt in rotem Samt kommt zum Vorschein: ein Jagdgewehr, ordentlich zerlegt in seine Einzelteile. Der Passagier zeigt dem Polizisten eine Urkunde, ein Luftsicherheitsassistent schafft den Koffer beiseite. "So ein Gepäckstück fliegt im Cockpitverfahren, in separat dafür vorgesehenen Behältnissen", sagt Horst Lang, Polizeidirektor bei der Bundespolizei Berlin. Er ist der Fachmann der Bundespolizei für die Sicherheit auf den drei Berliner Flughäfen. Die Flugsicherheit ist eine Aufgabe, die per Gesetz der Staat wahrnehmen muss. Aber er teilt sie sich mit privaten Sicherheitsunternehmen. Etwa 600 Polizeivollzugsbeamte und 1400 private Angestellte schützen den Berliner Flugverkehr. Die Polizisten sind Beamte, die Sicherheitsmitarbeiter angestellt und "beliehen" mit der Aufgabe.

Für die Polizisten ist die Luftsicherheit eine mögliche Spezialisierung innerhalb des mittleren oder gehobenen Dienstes. "Sie arbeiten im klimatisierten Raum, haben wenig mit Randgruppen zu tun, der Job ist begehrt", sagt Lang. Bis zu 2400 Euro netto können die Polizisten verdienen. Ihre privat angestellten Kollegen arbeiten als Luftsicherheitsassistenten in einer Tarifspanne von 7,56 bis 11,40 Euro brutto, in Berlin-Brandenburg für 10,70 Euro maximal. Sie machen Schichtdienst, der Job ist nicht immer spannend, aber häufig anstrengend. "Es ist nicht jedermanns Sache, einem verschwitzen Touristen unter die Achsel zu greifen", sagt Bernd Jansen, Personalmanager bei Securitas Aviation Service GmbH & Co KG. Nicht erst seit dem 11. September 2001 boomt das Luftsicherheitsgewerbe, aber seitdem hat Securitas jedes Jahr für die Flughäfen Berlins 200 neue Mitarbeiter eingestellt. Der Bedarf sei zudem enorm gestiegen, entsprechend der Zunahme des Flugverkehrs. 2007 steigerte der Flughafen Tegel die Zahl seiner Fluggäste um rund 13 Prozent. Der Flughafen befördert gegenwärtig rund 13 Millionen Passagiere.

240 Stunden Schulung erhalten die Luftsicherheitsassistenten bei Securitas in sechs Wochen Theorie und Praxis, absolvieren eine Prüfung im Unternehmen und werden dann als Praktikanten am Flugplatz auf die Tätigkeit vorbereitet. Es folgt die Beleihungsprüfung vor der Bundespolizei. Der Polizei bleibt das Weisungsrecht, aber ohne die privaten Helfer würde der Luftverkehr zusammen brechen. Weil Securitas nur Personal einstellt, das schon eine Berufsausbildung absolviert hat, arbeiten dort ehemalige Köche ebenso wie Pädagogen oder Bauarbeiter. Hinreichend Englisch müssen sie sprechen, räumlich denken können, um beispielsweise Röntgenbilder von Gepäckstücken zu erkennen und belastbar sein. Es erwartet sie ein krisensicherer Job mit Aufstiegsmöglichkeiten und einer Qualifikation, die auch in anderen Bereichen gefragt sein kann. "Die Qualifikation zum Luftsicherheitsassistenten wird beim Schutz von Häfen und großen Firmen nachgefragt", sagt Björn-Michael Birr, Geschäftsführer des Sicherheitsunternehmens Delphos GmbH. Die generellere Ausbildung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit dauert drei Jahre. Eine stärker im Management angesiedelte Qualifikation vermitteln Studiengänge, etwa der Master Studiengang Security Management an der Fachhochschule Brandenburg.

Gesetzliche Regelungen für die verschiedenen Ausbildungs- und Prüfungsbereiche gibt es erst seit wenigen Jahren. Auf dem Ausbildungsmarkt tummelten sich zudem schwarze Schafe, die keine hinreichenden Qualifikation vermitteln, um die entscheidende, behördliche Prüfung zu bestehen, so Jansen.

Nicht nur die Ausbildung hat sich verändert, auch die Sicherheitstechnik hat Riesenschritte gemacht. Mit der immer raffinierter werdender Technik expandiert der gesamte Sicherheitsbereich, so dass in Berlin-Brandenburg etwa 280 Sicherheitsdienstleister rund 18 000 Mitarbeiter beschäftigen, wie Rudi Grimm, Vorsitzender des Sicherheitsnetzwerkes SesamBB, vorrechnet. Die neuen Techniken stehen bei Schulungen auf dem Plan, die die Sicherheitsassistenten zweimal jährlich erhalten. "Es ist ein knüppelharter Job, den man bestenfalls fünf Jahre macht", stellt Björn-Michael Birr fest.