Begabung

Willkommen zur Mathe-Party

Wohl kein anderer Berliner Schüler kann so gut rechnen wie ein 16-Jähriger aus Pankow

Schon als kleines Kind war Branko Juran anders als die meisten Altersgenossen. Zum Einschlafen wollte er keine Gute-Nacht-Geschichte, sondern eine Matheaufgabe und auf dem Schulweg rechnete er alle Zahlen zusammen, die ihm so begegneten. Bei der bundesweiten Mathematik-Olympiade, die am Mittwoch zu Ende ging, hat der heute 16 Jahre alte Schüler aus Pankow den ersten Platz belegt, und das nun schon zum dritten Mal in Folge in seiner Altersklasse. Fast könnte man meinen, er löst die kniffligen Aufgaben der zweitägigen Klausur mit links.

Ganz so sei es nicht, sagt Branko, der das Heinrich-Hertz-Gymnasium besucht. Das Bundesfinale sei schon eine große Herausforderung, schließlich seien ja alle Finalisten ausgewiesene Mathe-Spezialisten. Die Aufgaben seien so ausgeklügelt, dass es fast unmöglich sei, die volle Punktzahl zu erreichen. Andernfalls wäre es auch schwierig unter den Landesbesten einen einzigen Sieger zu küren. „Auch ich hatte nur 35 von 40 möglichen Punkten“, sagt Branko Juran, der damit immerhin die Gold-Medaille mit nach Hause nimmt.

Nicht ganz unbeteiligt an seinem Erfolg ist wohl sein Vater, der selbst als Mathelehrer arbeitet. Er hat das Talent seines Sohnes früh erkannt und gefördert. Schon seit der dritten Klasse nimmt Branko an der mathematischen Schülergesellschaft von der Humboldt-Universität teil, ein Zirkel, der eigentlich für besonders begabte Kinder ab der fünften Klasse gedacht ist. Nach der Grundschule wechselte er an das auf Mathematik spezialisierte Heinrich-Hertz-Gymnasium in Friedrichshain, wo er schon vorher eine Arbeitsgemeinschaft besuchte. Mathelehrer zu werden, so wie sein Vater, kann er sich nicht vorstellen.

Er will lieber in die Forschung gehen. „Man glaubt gar nicht, wie viel in der Mathematik noch unerforscht ist“, sagt er. Seine derzeitige Leidenschaft sei die Analysis. Aber das könne sich ja noch ändern. Das nächste großes Ziel des Zehntklässlers ist es, nun auch in die Vorauswahl für die Internationale Mathematik-Olympiade zu kommen. In den vergangenen beiden Jahren war er schon in der Vorrunde gescheitert. „Die Aufgaben sind sehr schwer zu lösen und außerdem wird da nicht mehr nach Jahrgängen unterschieden. Die Achtklässler müssen die gleichen Aufgaben lösen wie die Zwölftklässler“, sagt Branko.

Doch um so kniffliger die Aufgaben, desto mehr Spaß machen sie ihm. Dabei gehe es ihm nicht nur um das Gewinnen. Man trifft auf viele Gleichgesinnte und nach der Klausur gibt es eine große Mathe-Party, wo alle Lösungen diskutiert werden. Wer das nicht aus Leidenschaft betreibt, würde sich solche Klausuren nicht antun, sagt er. Es sei aber nicht so, dass er nur vor Matheaufgaben hocke. Er habe viele Freunde und die meisten hätten gar nichts mit Mathe am Hut.