Staatsbesuch

Meet the Queen

Elisabeth II. kommt nach Berlin. Ingrid Baitz aus Brandenburg hat den Hofknicks schon geübt

Es ist, als sei ihr ganzes Leben auf diesen einen Tag, den 25. Juni 2015, zugelaufen. Fragt man Ingrid Baitz nach ihrem Alter, dann sagt sie: „Jahrgang ’53, das Krönungsjahr der Queen.“ Mit 13 verschlang sie historische Romane über Heinrich VIII., nach dem Fall der Mauer holte die Lehrerin ihr Anglistik-Studium nach. Prüfungsthema: das britische Königshaus. Nach ihrem Feierabend in der Grundschule bringt sie außerdem Erwachsenen Englisch bei, in ihrem Haus in Werder an der Havel. Her Majesty ist immer dabei, lächelt von einem Poster im Seminarraum.

Und jetzt darf Ingrid Baitz zur Geburtstagsparty von Königin Elisabeth II., im Garten von Sir Simon McDonald. Der britische Botschafter höchstpersönlich hat sie ausgesucht, nach seinem Aufruf auf Facebook nominierten besonders viele User die 61-Jährige mit den Strähnchen in den kurzen, blonden Haaren. Zusammen mit dem Berliner Fotografen Martin Lengemann darf sie sich unter die rund 600 Gäste bei der royalen Birthday-Party mischen. In Frankfurt wird die Lehrerin Kerstin Jahnke in der Nähe der Queen weilen, beim Rückflug aus Celle sagt Petra Pokropp aus Buxtehude „Goodbye“.

50 Jahre nach ihrem ersten Besuch in der damals noch geteilten Stadt kommt die britische Königin mit Prinz Philip, dem Duke of Edinburgh, am Dienstag in die Hauptstadt. 21 Salutschüsse werden zu ihren Ehren abgefeuert. Nach der Landung folgt ein minutiös getaktetes Programm: Die Queen wird einen Kranz an der Neuen Wache niederlegen, im Schloss Bellevue dinieren, eine Bootsfahrt ins Kanzleramt unternehmen. In Frankfurt wird sie die Paulskirche und den Römer besuchen, am Freitag die Gedenkstätte Bergen-Belsen besichtigen. Auch vor dem Brandenburger Tor wird die Queen auftreten, wie 1965, als sie einen gelben Hut trug und symbolträchtig auf die andere Seite der Mauer blickte.

Nächtigen wird Elisabeth II. im Hotel „Adlon“. Der Monarchin steht dort ein ganzes Stockwerk zur Verfügung – und rund um die Uhr ein persönlicher Butler. Ein Florist kümmert sich um Blumen nach königlichem Geschmack. Und schon seit Januar bereitet sich die britische Botschaft auf den Staatsbesuch vor. „Das ist ziemlich knapp bemessen“, sagt eine Sprecherin. Das Highlight für Sir Simon McDonald: Die Gartenparty in seiner Residenz. „Das ist ein großer Moment für mich“, sagt der Botschafter und deutet auf den Balkon über dem Wintergarten. „Ich werde eine Rede halten, neben mir Bundespräsident Gauck und meine Königin.“

Einmal der Queen nahe sein, darauf hofft auch Ingrid Baitz. Nach langem Hin und Her hat sie sich für ein Kleid entschieden, ganz in Grün mit Bolero, Hut und Tasche in Schwarz. Bis Donnerstag hat sie ein straffes Programm. Die letzten Accessoires in Berlin kaufen, „ZDF-Fernsehgarten“ in Mainz, Friseur, Nagelstudio, Kosmetik. Den Hofknicks hat Ingrid Baitz schon geübt. Ob sie der Queen wirklich gegenüberstehen wird, ist fraglich. Zwei Stunden dauert die Party, eine Stunde wird die Queen da sein. Im Salon mit der Bibliothek und den chinesischen Vasen auf dem Kamin wird sie mit den Ministerpräsidenten reden. Dann tritt sie auf die Terrasse, eine Fanfare wird erklingen. Ihre Majestät nimmt den Weg im Uhrzeigersinn, trifft Mitglieder des Kabinetts, deutsche Geschäftsleute, Politiker und Staatssekretäre.

Auch wenn am Ende aus dem Plausch mit Elisabeth II. nichts wird, Ingrid Baitz wird mit Stolz an den Tag zurückdenken. Die Einladung möchte sie sich einrahmen und neben das Foto im Flur hängen, auf dem sie als Elisabeth I., die Tochter von Heinrich VIII., verkleidet ist. „Ein Traum geht in Erfüllung“, sagt sie.