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So bekommen Sie jetzt noch einen Reisepass

Die Bürgerämter sind überlastet. Notfälle haben trotzdem eine Chance

Das Quartier ist gebucht, die Vorfreude auf den Urlaub steigt von Tag zu Tag – und dann, beim Blick in die Kiste mit den wichtigen Dokumenten, fällt so manchem auf, dass der Personalausweis oder der Reisepass abgelaufen ist. Kein Problem, denkt sich der technikaffine Großstädter. Ein Termin im nächsten Bürgeramt sollte per Internet schnell zu bekommen sein. Weit gefehlt. Denn nach etlichen Jahren, in denen wegen knapper Kassen am Personal gespart wurde, wird in den Bürgerämtern der Mangel verwaltet. Wer per Internet einen Termin bucht, muss mit einer Wartezeit von sieben bis acht Wochen rechnen. Wie eine Umfrage der Berliner Morgenpost unter den Bezirken ergab, sind die Ämter zurzeit besonders überlastet. „Jetzt läuft die heiße Phase“, sagt der in Neukölln für Bürgerämter zuständige Stadtrat Thomas Blesing (SPD). In Notfällen, etwa wenn Dokumente verloren gegangen sind oder eine Reise unmittelbar bevorsteht, können die Kunden aber auch ohne Termin beim Bürgeramt vorsprechen. Die wichtigsten Tipps vor dem Urlaub:

Gibt es einen Notfall-Pass?

„Wenn es ganz dringend ist, kann ein sogenannter Expresspass ausgestellt werden“, sagt Stadtrat Blesing. Der Reisepass wird in der Bundesdruckerei im Expressverfahren gefertigt und liegt nach vier Tagen zur Abholung bereit. Mit einem Aufschlag von 32 Euro kostet der neue Pass dann 70 Euro beziehungsweise 91 Euro (für Personen ab 24 Jahren).

Geht es auch schneller?

Wenn es ganz schnell gehen muss, kann auch ein vorläufiger Reisepass ausgestellt werden. Dieser wird direkt im Bürgeramt gedruckt, kostet zehn Euro und ist drei Monate gültig, so die Auskunft beim Bürgertelefon der Behörden unter der Nummer 115.

Kann ich mich ohne Termin im Bürgeramt vorstellen?

Wer keine Ausweisdokumente hat und sich mit Buchungsunterlagen für Flüge und/oder Unterkünfte in einem Bürgeramt in seinem Bezirk vorstellt, hat die Chance als Notfallkunde durchzugehen. Wer sich nicht als Notfall erweist, wird wieder fortgeschickt, wenn er keinen Termin hat, heißt es beim Bürgertelefon.

Wo gibt es kurzfristig Termine?

Über die Internetseite service.berlin.de gibt es die Möglichkeit, über „Termine berlinweit suchen“ morgens kurzfristig frei gewordene Termine in ganz Berlin zu finden.

Was kann ich per Post erledigen?

Für verschiedene Aktionen muss man nicht ins Bürgeramt gehen, dazu gehört etwa das Abmelden eines Wohnsitzes, wenn man ins Ausland zieht, Anträge auf einen Wohnberechtigungsschein und Wohngeld, das Beantragen von Melderegisterauszügen und Meldebescheinigungen. Führungszeugnisse und Auszüge aus dem Gewerbezentralregister können Bürger auch online direkt und kostenlos beim Bundesamt für Justiz beantragen, wenn die Online-Funktionen des Personalausweises freigeschaltet sind.

Die Situation in den Bürgerämtern ist nicht nur in der Vorurlaubszeit angespannt. Denn zwischen 2011 und 2013 wurden dort berlinweit 56 Stellen gestrichen. Das Chaos wurde immer größer, die Wartezeiten immer länger, die Mitarbeiter immer genervter, berichten die Stadträte. Im Januar einigten sich die zwölf Bezirke sowie die Senatsverwaltungen für Inneres und Finanzen darauf, befristet auf zwei Jahre 31 zusätzliche Stellen zu schaffen. Die Bezirke vereinbarten zudem, ihre Verfahren beim Kundenservice zu vereinheitlichen.

Seit Mai sollen Bürger im Regelfall nun nicht mehr auf gut Glück zu einem Amt gehen, sondern vorab Termine buchen. Sie werden acht Wochen im Voraus freigeschaltet und können im Internet oder unter der Behördennummer 115 gebucht werden. In Notfällen sollen sich die Mitarbeiter bemühen, zeitnah zu helfen. Das vereinheitlichte System begrüßen die Bezirke mehrheitlich. Kunden mit einem Termin müssten im Amt nur noch rund zehn Minuten warten, sagt Dagmar König (CDU), Stadträtin für Bürgerdienste in Charlottenburg-Wilmersdorf: „Es ist für alle Seiten entspannter geworden.“

Von den 31 zusätzlichen Stellen, die der Senat genehmigt hat, sind allerdings längst noch nicht alle besetzt. In einigen Bezirken wie etwa Neukölln haben die zusätzlichen Mitarbeiter bereits angefangen. In Pankow dagegen laufen die Ausschreibungsverfahren noch. Voll einsatzfähig sind die neuen Bediensteten erst nach einer Einarbeitungszeit, die je nach Qualifikation und Berufserfahrung mehrere Monate dauern kann. In einem sind sich die Stadträte einig: Mehr als der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein seien die zusätzlichen Stellen nicht. „In punkto Terminvergabe entspricht der aktuelle Service nicht dem Leitbild einer bürgerfreundlichen Dienstleistung“, sagt etwa Pankows zuständige Dezernentin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD).