Aufwertung

Gemeinsam stark am Kudamm

Spätestens Ende Juli soll der Antrag für eine Standortgemeinschaft eingereicht sein

Das Pilotprojekt der AG City West, den Abschnitt zwischen Wittenbergplatz und Uhlandstraße als Standortgemeinschaft zu etablieren, bei der die Grundstückseigentümer und Gewerbetreibenden die Aufwertung der Einkaufsstraße in die eigene Hand nehmen, wird von vielen anderen Eigentümern in der Stadt aufmerksam beobachtet. „Gerade in kleineren Geschäftsstraßen ist die Notwendigkeit größer, um sich gegen die großen Straßen behaupten zu können“, sagt die Wirtschaftsexpertin der Grünen, Nicole Ludwig. Sie habe bereits mit Interessenten aus der Düsseldorfer Straße in Wilmersdorf, der Mierendorff-Insel in Charlottenburg und der Bahnhofstraße in Lichtenrade gesprochen. Aber auch größere Einkaufsstraßen, wie die Altstadt Spandau oder der Tempelhofer Damm seien bei einem erfolgreichen Versuch in der City West interessiert, ebenfalls Standortgemeinschaften einzurichten.

Nach Auffassung des Stadtentwicklungsexperten der Industrie- und Handelskammer (IHK), Christof Deitmar, sind die Erfolgsaussichten grundsätzlich bei Gemeinschaften größer, die bereits gut organisiert seien. „Bei kleineren Straßen wird die nötige Arbeit auf nur wenige Schultern verteilt“, sagt Deitmar.

Seit Oktober vergangenen Jahres besteht in Berlin die Möglichkeit, sich zu einer Standortgemeinschaft zusammenzuschließen. Die Idee stammt aus Nordamerika und ist international als „Business Improvement District“ (BID) bekannt. In Deutschland wird die Idee seit 2005 in verschiedenen Städten verfolgt. Am weitesten gediehen sind die Planungen in der City West. Hier haben bereits mehrere Informationsveranstaltungen für Eigentümer und Gewerbetreibende stattgefunden, um sich über gemeinsame Ziele zu verständigen.

Bis Ende Juli soll der Antrag fertig sein. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf muss den Antrag prüfen, danach erfolgt eine öffentliche Auslegung. Am Ende muss zunächst die Bezirksverordnetenversammlung, danach auch die Verwaltung für Stadtentwicklung den Plänen der Gemeinschaft zustimmen.

Die AG City West ist zuversichtlich, die geforderte Zustimmung unter den Grundstückseigentümern zu erhalten. „Das hat ja schon bei der zusätzlichen Reinigung auf freiwilliger Basis geklappt“, sagt AG-Vorstand Gottfried Kupsch. Im Mittelpunkt der Diskussionen habe die Frage gestanden, wie der Boulevard in zehn Jahren aussehen soll. Das Interesse der Beteiligten sei groß gewesen. „Man wird sehen, ob wir schon so weit sind, oder noch ein paar Jahre warten müssen“, sagte Kupsch. Wenn ein Drittel der Eigentümer den Plan ablehnen, ist das Projekt gescheitert.

Das Berliner Abgeordnetenhaus hatte das Berliner Gesetz zur Einführung von Immobilien- und Standortgemeinschaften im Oktober vergangenen Jahres verabschiedet. „Mit diesem Gesetz wird angestrebt, zur Förderung der Wirtschaft und zur Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung mit Waren und Dienstleistungen Einzelhandels-, Dienstleistungs- und Gewerbezentren zu stärken und zu entwickeln“, heißt es im ersten Paragrafen des Gesetzeswerks.