Garten

Englischer Charme inmitten von Nord-Neukölln

Auch im Böhmischen Dorf ist Tag der offenen Gärten

Keramikhühner im Blumenbeet, ein echter Frosch im Teich, Beete mit Akelei, Tränendem Herz, Vergissmeinnicht und Storchschnabel. Kaffee und Kuchen unter dem Nussbaum. Im Garten von Karin Zwick gibt es viel zu entdecken. Sogar Pflänzchen kann man dort kaufen: Tomaten, Dahlien, wilden Rittersporn oder Margeriten. Und am Trödelstand alte Blumenvasen.

Es ist wie auf dem Land hier, es hat englischen Charme. Und das mitten in Nord-Neukölln. Karin Zwick wohnt und gärtnert im Böhmischen Dorf, zwei Minuten vom U-Bahnhof Karl-Marx-Straße entfernt. Wer sie in ihrem Garten besuchen will, hat auch heute noch Gelegenheit dazu. Zwischen 12 und 18 Uhr ist die Anlage geöffnet. Und mit ihr acht weitere Gärten im Böhmischen Viertel. Anlass sind die Tage der offenen Gärten, die an diesem Wochenende in Berlin, Potsdam und dem Umland stattfinden. Insgesamt können 120 private Gärten besichtigt werden.

Ein anderer Garten im Böhmischen Dorf ist der von Brigitte Polinna. Die 70-Jährige hat die Anlage von ihren Tanten übernommen. „Haus und Garten sind seit 275 Jahren in Familienbesitz“, sagt sie der Berliner Morgenpost. So ist das auch bei vielen anderen Bewohnern des Viertels. Preußens König Friedrich Wilhelm der I. hat ihren Vorfahren – etwa 350 böhmischen Glaubensflüchtlingen – 1737 in Rixdorf Asyl gewährt und jeweils ein Grundstück zugeteilt. Mit der Auflage, darauf Wohnhaus, Scheune und Stall zu errichten. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Grundstücke gewerblich genutzt. Inzwischen dienen sie der Erholung.

Brigitte Polinna hat ihre Beete mit Buchsbaum eingefasst, dessen Maitriebe hellgrün leuchten. Innerhalb dieser Hecken blühen gerade langstielige Akelei, Allium und Salomonsiegel. „Es ist ein bisschen wild bei mir, aber wir sind hier ja auch nicht in Sanssouci“, sagt Brigitte Polinna. Lachend lädt sie ihre Gäste in ihren weißen Gartenpavillon ein. „Setzt euch und genießt den Ausblick“, ruft sie. Es gibt selbst gebackene Erdbeertorte mit Schlagsahne.

Stadtgärten sind schon deshalb etwas Besonderes, weil man von ihrer Existenz meist völlig überrascht ist. Wer ahnt schon, dass es in der Ackerstraße in Mitte – einer Straße ohne Bäume, in der sich die Mietshäuser aneinander reihen – kleine Hofgärten gibt. Wie den von Martina Beyer. Die Künstlerin wohnt und arbeitet in einer Remise auf dem dritten Hinterhof der Nummer 19. Dort hat sie auf etwa 70 Quadratmetern einen Garten angelegt. Im Maibeet blühen gerade Akelei und Lilien. Im Junibeet stehen Frauenmantel, Färberminze und Glockenblumen in Knospe. „Mein Garten ist gut für die Seele“, sagt Martina Beyer. Auch sie hat Kuchen gebacken und wartet heute von 10 Uhr an auf Gäste.

Weitere Informationen: www.open-garden.de