Tarifkonflikt

Charité droht unbefristeter Streik des Pflegepersonals ab Juni

Gewerkschaft Verdi bereitet Urabstimmung vor

Die Charité steht vor einem unbefristeten Streik des Pflegepersonals. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bereitet eine Urabstimmung dazu vor. Das bestätigte Andreas Splanemann, Sprecher des Verdi-Landesbezirks Berlin-Brandenburg, am Freitag der Berliner Morgenpost. Die Urabstimmung solle in der kommenden Woche beginnen, ein genauer Termin stehe noch nicht fest, so Splanemann. Sie könne insgesamt zwei Wochen dauern, weil das Universitätsklinikum auf drei Standorte verteilt ist. Sollte es zum Streik kommen, werde dieser voraussichtlich im Juni beginnen, sagte der Gewerkschaftssprecher.

An der Charité arbeiten mehr als 13.000 Menschen. An der Urabstimmung und gegebenenfalls an einem Streik können sich nur die bei Verdi organisierten Mitarbeiter beteiligen. Wie viele das sind, teilt die Gewerkschaft traditionell nicht mit. 75 Prozent von ihnen müssen für einen Streik stimmen, damit dieser ausgerufen wird. Im April hatte Verdi bereits zu einem zweitägigen Warnstreik aufgerufen, an dem sich nach ihren Angaben jeweils rund 500 Krankenschwestern und -pfleger beteiligten.

Die Gewerkschaft fordert einen Tarifvertrag für mehr Personal an der Charité, will darin eine Mindestbesetzung mit Pflegefachkräften auf den Stationen festschreiben. Die Leitung des Universitätsklinikums sagt dagegen, es sei finanziell nicht möglich, die Verdi-Forderungen komplett umzusetzen. Dazu müssten 600 Pflegekräfte neu eingestellt werden, das würde pro Jahr bis zu 36 Millionen Euro kosten. Das Angebot der Charité sieht eine Mindestbesetzung auf Intensivstationen vor. Das Klinikum bedauerte am Freitag, „dass Verdi den Weg einer Urabstimmung trotz eines guten Verhandlungsangebots der Charité einschlägt und eine Auseinandersetzung anstrebt“. Die Frage von Personalquoten in der Pflege betreffe alle Krankenhäuser und müsse gesundheitspolitisch auf Bundesebene geklärt werden. Dazu gehörten auch Fragen der Finanzierung.