Projekt

Ein Kleinod für die Nachbarschaft

Ein Bürgerverein macht das ehemalige Parkwächterhäuschen im Lietzenseepark zu einem Treff für alle

Noch steht vor dem Säulengang des ehemaligen Parkwächterhäuschens im Lietzenseepark ein Absperrgitter. Bis vor drei Jahren gab es dort einen Kiosk gleich gegenüber dem Spielplatz. Doch damit war Ende 2012 Schluss. Jetzt will der Verein „ParkHaus Lietzensee“ einen Neustart für das denkmalgeschützte hübsche, aber heruntergekommene Kleinod wagen. Mit einem Café und öffentlich zu nutzenden Räumen im Obergeschoss. Noch in diesem Monat soll der Pachtvertrag mit dem Bezirksamt, dem das Haus gehört, unterzeichnet werden. Zum symbolischen Pachtzins von einem Euro pro Monat. Der Bezirk erwartet von den Vereinsmitgliedern, dass sie das Haus baulich auf Vordermann bringen. Auch die Toiletten sollen dann wieder für jedermann öffentlich zugänglich sein.

Ist der Vertrag unterschrieben, können die ambitionierten sieben Vereinsmitglieder endlich loslegen. Pläne, wie das Haus genutzt werden soll, gibt es viele. „Doch zunächst muss der Bau gesichert werden“, warnt Carsten Knobloch vor allzu ausufernden Nutzungsideen in dieser Phase. Er ist zweiter Vorsitzender des Vereins und hat sich mit Katja Baumeister-Frenzel, der ersten Vorsitzenden, Zeit genommen, um der Berliner Morgenpost am Haus im Park zu zeigen, was alles getan werden muss.

Café mit 16 Plätzen geplant

Die Sanierung soll in Etappen erfolgen. Für die erste rechnet der Verein mit bis zu 40.000 Euro Kosten, die noch zusammenkommen müssen. „Da zählen wir auf Unterstützung aus der Nachbarschaft, denn wir wollen hier doch für uns alle etwas schaffen“, wirbt Knobloch. Er ist optimistisch, dass das zu schaffen ist. Schließlich liege der Lietzensee inmitten von drei höchst unterschiedlichen Wohnquartieren: dem mit der recht wohlhabenden Bürgerschaft direkt am See, dem gewachsenen Bürgerquartier zur Kantstraße hin und dem kulturell durchmischten Klausenerplatz-Kiez. „Wir wollen der Treffpunkt in der Mitte sein, wir wollen das Ohr an der Nachbarschaft haben. Es ist doch unser aller Anliegen, das zu schaffen, auch finanziell“, appelliert der Kommunikationsdesigner an die Nachbarschaft. Die ersten 10.000 Euro habe ein Spender schon zugesichert. Das Café möchte der Verein mit der Unterstützung des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschlands betreiben, das auch benachteiligte Jugendliche unter anderem zu Köchen und Servicekräften ausbilden. Auch in der Bauphase erhoffen sie sich von dort tatkräftige Hilfe durch die Ausbildungsbereiche Stein, Glas und Holz – unentgeltlich.

Als erstes werden acht Quadratmeter feuchter Keller zugeschüttet. „Dadurch, dass der Treppenaufgang entfällt, gewinnen wir sieben Quadratmeter Gastraum“, erläutern die beiden. Das Innere nämlich ist relativ klein, so wird im Café nur Raum für 16 Plätze sein, hauptsächlich draußen wird sich der Betrieb also abspielen. Im Obergeschoss sollen zwei multifunktionale Räume entstehen, zusammen etwa 60 Quadratmeter groß, die gemietet werden können für Seminare oder aber auch für Nachbarschaftsanliegen.

Generell soll mit den umliegenden Schulen und Horten zusammengearbeitet werden, Freizeitangebote für naturnahe Seminare geschaffen werden. „Wir erzählen den Kindern, was wertvoll im Park ist und hoffen, dass sie als Teenager dann nichts beschmieren“, erzählen Knobloch und Baumeister-Frenzel. Auch Vereine mit einem Beratungsangebot für Kinder mit Down-Syndrom oder für ein Kunst- und Kulturangebot für Kinder interessieren sich schon für die Räume.

Stadtrat Marc Schulte (SPD) hat das Konzept der Vereinsmitglieder überzeugt. „Sie gehen Stück für Stück an das Vorhaben heran, die brennen für das Haus und stecken auch ihr berufliches Know-how hinein“, sagt Schulte. Vorwürfe eines Mitbewerbers, es sei bei der Vergabe gemauschelt worden, weist Schulte zurück. Dessen Konzept habe einfach nicht überzeugt. Auch der Vorwurf, das Verfahren sei nicht transparent gewesen, stimme nicht: „In der Jury, die über die Bewerbungskonzepte entschieden hat, saßen Mitglieder der Fraktionen und der Verwaltung.“ Die Baubehörde hatte ausgerechnet, dass für die Sanierung des 1924/25 errichteten und inzwischen denkmalgeschützten Parkwächterhauses mindestens 600.000 Euro nötig sind. „Der Bezirk könnte sich das nicht leisten, es wäre aber ein Riesengewinn, wenn es wieder zur Verfügung stünde“, sagt Schulte.

Die Vereinsmitglieder, die meisten in den Mittvierzigern mit Kindern, kennen sich über die Kita der nahen Lietzenseegemeinde. „Wir spielen dort Elterntheater und passen gut zusammen. Wir sind alle Anwohner und Nutznießer des Parks, teils bereits seit Generationen, und haben im Park mit unseren Kindern viel Zeit auf dem Spielplatz verbracht“, sagt Katja Baumeister-Frenzel. Als Kulturwissenschaftlerin hat die Charlottenburgerin über die Anfangszeit des Parks, als der Parkwächter noch das obere Geschoss des kleinen Hauses bewohnte, recherchiert. Unten habe es einen Milch- und Mineralwasserverkauf gegeben.

Parkpflege jeden Dienstag

Unterstützung erhält der Verein von einem anderen Verein, den „Bürgern für den Lietzensee“. Die Mitglieder kümmern sich bereits seit 2004 um die Pflege und Sauberkeit des Parks. Der Verein hatte beim Bezirk angeregt, dass das Parkwächterhäuschen wieder betrieben werden sollte. „Das ParkHaus Lietzensee hatte ein sehr überzeugendes Konzept, und für mich war es auch ein sehr transparentes Verfahren“, sagte Norbert Voß, Vizevorsitzender des Lietzenseepark-Vereins. Der 63-jährige Architekt und Bauingenieur ist mit von der Partie, wenn sich die Vereinsmitglieder treffen, um den schönen Park noch schöner zu machen. Sie streichen Bänke, entfernen Graffiti, jäten das Unkraut im Iris-Beet oder pflanzen Stauden, bei denen ein Landschaftsgärtner zuvor recherchiert hat, welche Farben und Arten dort ursprünglich einmal wuchsen. Norbert Voss kümmert sich am liebsten um die Wege, sticht die Rasenkanten ab, wenn sie in den Weg hineinwachsen. Er stellt auch das erst gerade vom Bezirk installierte Schild unweit der Schillerwiese wieder auf, das das Entenfüttern verbietet und das ein Parkbesucher in der Nacht herausgerissen hatte. „Ich finde es zwar übertrieben, dass diese kleinen Mengen Brot den 6,6 Hektar großen See umkippen lassen sollen, aber theoretisch ist das natürlich berechtigt“, gibt er zu. Wer sich in solch einem Verein für die Gemeinschaft engagiert, ist eben auch kompromissfähig.