Energiepolitik

Eon und Vattenfall wollen Berlins Industriepartner sein

Die Verhandlungen zu Energienetzen starten. Grüne üben Kritik an Sozialdemokraten

Der Düsseldorfer Energiekonzern Eon hat sich erstmals öffentlich als möglicher Kooperationspartner des Landes Berlin beim Management der Energienetze angeboten. Eon stehe „für den vom Senat gewünschten Dialog und Gespräche über eine kooperative Lösung sehr gerne zur Verfügung“, sagte ein Unternehmenssprecher.

Der Senat hatte am Dienstag nach heftigen Diskussionen zwischen SPD und CDU beschlossen, sich an den Berliner Energienetzen beteiligen zu wollen und dabei zunächst die Gasag übernehmen zu wollen. Ob es dabei um eine Mehrheit gehen soll oder ob auch eine Minderheit akzeptabel ist, bleibt strittig. Die Koalitionäre einigten sich auf den Kompromiss, dass sie einen „maximalen“ Einfluss wollen. An dem Gasversorger, der über eine Tochterfirma das Berliner Gasnetz betreibt, sind Eon, Vattenfall und Gaz de France beteiligt. Berlin möchte seine energiepolitischen Aktivitäten mit einem „industriellen Partner“ realisieren. Dafür kommen vor allem Eon und Vattenfall in Frage. Die Düsseldorfer sind bestrebt, sich nach der Abspaltung ihrer Kohle- und Atomkraftwerke als moderner Energiedienstleister zu positionieren und dafür die deutsche Hauptstadt als Schaufenster zu nutzen. „Die neue Strategie von Eon mit der klaren Fokussierung auf intelligente Netze, erneuerbare Energien und innovative Kundenlösungen passt hervorragend zu den energiepolitischen Zielen des Landes Berlin“, so der Eon-Sprecher. Die Nordrhein-Westfalen sind schon länger mit Lobbyarbeit in Berlin aktiv. Sozialdemokraten gefällt besonders, dass Eon auch bereit wäre, in gemeinsamen Unternehmen dem Land eine Mehrheit zu überlassen. CDU-Politiker, die eine Rekommunalisierung kritisch sehen, könnten umgestimmt werden. Man könne „partnerschaftlich mit dem Land für die Entwicklung Berlins zur führenden Smart City in Europa einen wichtigen Beitrag leisten“, sagte der Eon-Sprecher. Genau das verfolgt auch die Union.

Vattenfall verfolgt die Offensive des potenziellen Konkurrenten mit Misstrauen. Die Schweden sehen sich selbst in der Rolle des „industriellen Partners“ des Senats. „Da fühlen wir uns angesprochen“, sagte ein Vattenfall-Sprecher. Man sei kooperationsbereit, die Beschlüsse des Senats seien ein „positives Signal“. Die Grünen halten die CDU für die Siegerin im Koalitionsstreit. Der Anspruch der SPD, 100 Prozent der Energienetze in kommunale Hand zu bringen, sei gescheitert, sagte der Energieexperte Michael Schäfer.