Interview

Der Fotograf, dem die Engel vertrauen

Russell James ist Hausfotograf bei Victoria’s Secret. Ein Gespräch über seine „Angels“ in Berlin

Er hatte schon Gisele Bündchen, Naomi Campbell, Alessandra Ambrosio und Heidi Klum vor der Kamera. Jetzt hat Fotograf Russell James gemeinsam mit Victoria’s Secret-Model Sara Sampaio in Berlin die Ausstellung „Angels“ eröffnet. Die Galerie „Camera Work“ an der Kantstraße zeigt noch bis Anfang Juni eine Auswahl seiner schönsten Aufnahmen.

Berliner Morgenpost:

Hassen Männer Sie für Ihren Job?

Russell James:

Vielleicht tun sie das, ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Ich glaube, viele Männer denken, dass es sehr viel leichter ist, als es aussieht. Natürlich ist es ein sehr schöner Job, aber es ist auch harte Arbeit.

Und wie kommen die Frauen in Ihrem Leben damit zurecht?

Für meine jetzige Freundin war das niemals ein Problem, weil ich den Job schon immer hatte. Sie kennt das Business. Meine Kinder halten mir oft Vorträge darüber, was angemessen ist, wenn andere Kinder zu uns kommen. Dann sagen sie: „Dad, darüber kannst du nicht sprechen und das darfst du nicht zeigen.“

Waren Sie schon häufig in Berlin?

Ich war schon in den 80er-Jahren sehr oft in Berlin, als die Mauer noch stand. Als die Mauer fiel, war ich gerade in Hamburg. Für Ausstellungen war ich schon drei Mal in Berlin. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten für mich sind das Brandenburger Tor, weil es das Wahrzeichen Berlins ist, der Reichstag, weil ich das Gebäude so beeindruckend finde, und das Holocaust-Mahnmal. Dort war ich mal nachts um eins und das war keine gute Idee. Meine Freundin Donna Karan sagte zu mir, ‚Honey, lass uns einen Spaziergang machen‘. Und dort sind wir gelandet. Das war sehr verwirrend in der Dunkelheit.

Warum fühlen sich Frauen wohl damit, sich gerade von Ihnen unbekleidet fotografieren zu lassen?

Weil ich unangenehme Dinge aus ihrer Vergangenheit herauskrame und sie dann damit erpresse. (Lacht.) Aber ganz im Ernst: Ich fotografiere ja nicht nur schöne Frauen, sondern auch Landschaften, indigene Völker und Staatsoberhäupter. Auch bei der „Angels“-Sammlung habe ich mir nicht vorgenommen, ich mache jetzt eine Reihe mit Aktfotos von Models. Das hat sich einfach so ergeben. Der Akt hat eine sehr lange Tradition – seitdem Menschen angefangen haben zu zeichnen. Aber es ist auch eine der größten Herausforderungen, weil man das Vertrauensverhältnis zu seinem Model nicht fingieren kann.

Mit wem lässt es sich gut arbeiten – und wer ist eine Herausforderung?

Wenn ich das beantworten würde, bekäme ich sehr viel Ärger. Eine Herausforderung bedeutet für mich nicht, dass jemand gemein oder bösartig ist, sondern dass ich es nicht geschafft habe, eine Verbindung zu dem Model aufzubauen. So versuche ich es zu sehen. Der Druck, der auf diesen Mädchen lastet, ist verrückt. Manchmal kommen sie zu mir und sind vollkommen fertig, weil sie gerade vom Laufsteg kommen und danach noch bis in die Nacht eine Werbekampagne geschossen haben. Ich treffe sie dann am nächsten Morgen und frage: „Wie geht’s dir?“ Und dann kommt schon mal: „Es geht mir furchtbar.“ Deshalb wäre es unfair zu sagen, dass jemand eine Herausforderung ist. Natürlich kann Naomi Campbell schwierig sein. Irgendetwas ist an solchen Gerüchten immer dran.

Welche Frau fehlt Ihnen noch im Portfolio?

Ich finde,Jennifer Lawrence ist eine der schönsten Frauen unserer Zeit. Aber ich sehe jeden Tag Menschen, die ich gerne fotografieren würde.

Ist die schönste Frau, die Sie kennen, ein Model oder jemand aus Ihrem Umfeld?

Glauben Sie es oder nicht, es gibt eine Frau namens Olive Knight, eine Aborigine. Vor Jahren hat sie zusammen mit Hugh Jackmanam Broadway gespielt. Und ich habe sie fotografiert. Ihr Gesicht haut mich um. Sie ist weder jung noch Model, sie ist einfach fantastisch.