Extremismus

Erneuter Anschlag auf Infokasten der Stolperstein-Initiative

Einen Tag nach der Zerstörung des Schaukastens der Stolperstein-Initiative in Friedenau überlegen die Mitglieder, ob die Scheiben schnell ersetzt werden – oder aber zersplittert mahnen sollen.

„Der Infokasten mit der zerstörten Scheibe kann auch ein Mahnmal sein und die rechtsradikalen Umtriebe hier in der Straße deutlich sichtbar machen“, sagte Petra Fritsche, Sprecherin der Initiativgruppe, der Berliner Morgenpost.

Unbekannte Täter hatten die Glasscheiben in der Nacht zu Sonntag mit Pflastersteinen zerstört. Die Infotafeln hinter Glas stehen auf dem Grundstück der Philippus-Kirche an der Stierstraße. Die Scheibe sei an vier Stellen gesplittert, an einer Stelle habe ein Stein die Scheibe durchdrungen und liege jetzt in dem Kasten. Der Pfarrer hatte den Schaden am Sonntagvormittag entdeckt und die Polizei alarmiert. „Es ist schon der dritte Anschlag auf den Infokasten, in dem sich Dokumente und Fotos zu den 57 Stolpersteinen, die in der Stierstraße liegen, ausgestellt sind“, sagte die Sprecherin. „Ich hatte am Sonnabendvormittag eine Einladung zu einem Informationsrundgang zu den Stolpersteinen anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung vom Faschismus ausgehängt.“

Am Dienstag aber wird eine Verwandte von deportierten und ermordeten Angehörigen, für die in der Stierstraße Stolpersteine liegen, aus Israel anreisen. „Was wird sie wohl denken, wenn sie den beschädigten Informationskasten sieht?“, fragte Fritsche. Am Montag wollte die Sprecherin gemeinsam mit der Initiativgruppe eine Lösung finden.

„Die Frau, die uns besucht, ist eine Verwandte der Familien Herrmann und Riesenburger“, sagte sie. Vier Stolpersteine liegen in der Stierstraße für die Familienmitglieder. „Die Frau konnte als Kind Berlin noch verlassen und hat in Frankreich überlebt. Später ist sie nach Israel ausgewandert.“ Die heute 90-Jährige besucht seit ihrer Kindheit zum ersten Mal wieder Berlin. Sie möchte am Dienstag an den Stolpersteinen beten und wollte sich auch an dem Informationskasten einen Überblick über die Arbeit der Initiativgruppe verschaffen. Die Ermittlungen hat der Polizeiliche Staatsschutz übernommen. Die Gruppe hat einen Zeugenaufruf an dem zerstörten Kasten ausgehängt.