Die Ratgeber

Wie löschen wir das Testament?

Erbrecht – Wolfgang S. aus Wilmersdorf und seine Frau haben ein Kind. Die Eheleute haben ein Berliner Testament gemacht, das sie beim Amtsgericht Charlottenburg, im zentralen Testamentsregister und in der Testamentssammlung des Notars hinterlegt wissen. Nun befürchten sie, dass ihr Kind im Erbfall benachteiligt sein könnte, da nur einmal der Freibetrag anfällt und später der Rest des Gesamterbes beider Elternteile zusammen versteuert werden muss. Deshalb möchten sie das Berliner Testament aufheben. Es soll einfach die gesetzliche Erbfolge eintreten. Sie wollen nun wissen, wie das ohne große Kosten zu regeln ist.

Erbrechtsexperte Max Braeuer erklärt das Prozedere: „Das Ehepaar S. berichtet, dass ihr Berliner Testament an drei Stellen hinterlegt sei, beim Amtsgericht, beim Zentralen Testamentsregister und beim Notar. Es ist der Normalfall, dass alle drei Stellen, die sie bezeichnen, Kenntnis von dem Testament haben. Trotzdem gibt es das Testament nur einmal, und sie müssen nur das eine Testament widerrufen, um die gesetzliche Erbfolge herbeizuführen. Sie haben ihr Testament vor einem Notar errichtet. Dieser ist verpflichtet, das Original in einem speziellen Umschlag zu verwahren und diesen Umschlag mit einem roten Lacksiegel fest zu verschließen. Den Umschlag muss er beim zuständigen Amtsgericht hinterlegen. Er darf das Testament gar nicht bei sich behalten. Deshalb liegt das Testament sicher bis heute in dem verschlossenen Umschlag in der Testamentssammlung des Amtsgerichts. Der Notar hat lediglich eine Kopie des Testaments zurückbehalten. Der Notar war weiterhin verpflichtet, das Zentrale Testamentsregister bei der Bundesnotarkammer darüber zu unterrichten, dass es ein Testament gibt und dass dies beim Amtsgericht Charlottenburg hinterlegt ist. Die Bundesnotarkammer registriert nur, dass es überhaupt ein Testament gibt und wo es verwahrt wird, damit es im Todesfalle gefunden wird.

Um sicherzustellen, dass beide im Falle ihres Todes gesetzlich beerbt werden, müssen sie nur das eine beim Amtsgericht Charlottenburg hinterlegte Testament widerrufen. Das ist einfach und kostenfrei: Sie müssen sich gemeinsam zum Amtsgericht begeben und dort verlangen, dass man ihnen das hinterlegte Testament herausgibt. Das Amtsgericht ist dann gesetzlich verpflichtet, ihnen den Umschlag mit dem Testament auszuhändigen. Das Gesetz schreibt weiter vor, dass dieses Testament mit dem Moment der Rückgabe unwirksam wird. Für den Widerruf ist es dann nicht einmal mehr erforderlich, das Testament zu vernichten, was aber ratsam wäre, um Missverständnisse zu vermeiden.

Wenn die Eheleute erreichen wollen, dass ihre Tochter möglichst wenig Erbschaftssteuer zahlen muss, dann ist der Widerruf aber nur der halbe Weg. Wenn der erste der beiden stirbt, erbt die Tochter nur die Hälfte des Nachlasses. Die andere Hälfte erbt der überlebende Ehegatte. Der Großteil des Vermögens geht deshalb erst beim Tode des zweiten Elternteils auf die Tochter über. Es kann sein, dass die steuerlichen Freibeträge so nicht optimal ausgenutzt werden. Sie sollten deshalb überlegen, ob sie nicht anstelle eines Berliner Testamentes anordnen, dass die Tochter beim Tode jedes ihrer beiden Elternteile Alleinerbin wird.“