Auszeichnung

„Und das ist wunderschön“

Michael Blumenthal ist der 118. Ehrenbürger der Stadt

An diesem Freitag schloss sich für Michael Blumenthal ein Kreis. Aus den Händen des Parlamentspräsidenten Ralf Wieland (SPD) erhielt er die Urkunde zum Ehrenbürger Berlins. Der langjährige Leiter des Jüdischen Museums ist der 118. Ehrenbürger, steht damit in einer Reihe mit Marlene Dietrich, Ronald Reagan und Otto von Bismarck. „So hat sich mein Leben gedreht“, sagte Blumenthal am Freitag in seiner Dankesrede im Festsaal des Roten Rathauses. „Und das ist wunderschön.“

Dass er einmal in die Stadt zurückkehren würde, die ihn und seine Familie wegen ihres jüdischen Glaubens vor 76 Jahren so schändlich vertrieben hatte, das hat Blumenthal selbst nicht gedacht. Am Freitag nun würdigte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) das Leben des 89-Jährigen und dessen Verdienste für die Stadt. Das Jüdische Museum, dessen Gründungsdirektor er war, sei untrennbar mit dem Namen Blumenthal verbunden, sagte Müller. Zwischen 1997 und 2014 leitete er das Haus, das sich in den vergangenen Jahren zu einem Leuchtturm der Berliner Museumslandschaft entwickelt hat. Die enorme Lebensleistung Blumenthals sei mitverantwortlich dafür, dass das jüdische Leben in der Stadt wieder fest verankert sei, so Müller. Aber auch darüber hinaus sei Blumenthal ein herausragender Botschafter Berlins. „Und dafür – für Ihren persönlichen Beitrag zu einem gelingenden Zusammenleben in unserer Stadt und Ihr Wirken weit über Berlin hinaus – möchte ich Ihnen heute ganz besonders herzlich danken“, sagte der Regierende Bürgermeister.

Blumenthal wurde in Oranienburg geboren, später siedelte die Familie nach Berlin über. Hier wohnte sie, bis das Nazi-Regime das Leben unmöglich machte. Zunächst verschlug es die Familie nach China, später dann in die USA. Dort angekommen, legte Blumenthal eine atemberaubende Karriere hin, die ihn bis in das Amt des Finanzministers unter Präsident Jimmy Carter führte. Aber irgendwo in seinem Herzen ließ ihn Berlin nie los. „Heute weiß ich, dass der Faden nie ganz abgerissen war, und es bedurfte etlicher Jahre, bis mir das bewusst wurde“, sagte Blumenthal am Freitag. Er erlebte eine neue Sympathie für die geteilte Stadt, die nach dem Mauerfall und der Einheit Deutschlands kulminierte. Die Einladung, das Museumsprojekt zu leiten, nahm Blumenthal daher an. „Dafür bin ich Ihnen allen sehr dankbar“, sagte er. Seine späten Berliner Jahre bezeichnet er als die reichste und befriedigendste Zeit seines Lebens. Blumenthal, der selbst emigrieren musste, rief die Berliner auf, alle Anstrengungen zu unternehmen, die aktuelle Flüchtlingsgeneration mit Toleranz aufzunehmen und zu fördern. „Denn wir glauben, dass man aus der Vergangenheit lernen kann, um gegenwärtige Fragen besser zu verstehen und zu lösen“, sagte Blumenthal.