1. Mai

Feiern und Demonstrieren

Auf dem „MyFest“ in Kreuzberg wird seit Jahren friedlich gefeiert. Der Kiez lässt sich seine 1.-Mai-Party nicht von Randalierern zerstören

Innensenator Frank Henkel (CDU), Polizeipräsident Klaus Kandt und der Einsatzleiter der Polizei, Michael Krömer, sitzen eine Woche vor dem 1. Mai im Polizeigebäude am Platz der Luftbrücke nebeneinander. Sie berichten von dem, was sich in den Vorjahren bewährt hat. Sie sprechen von einer „erfreulichen Entwicklung“ und davon, dass es „keinen Grund für Experimente gebe“. Man werde nicht von Bewährtem abweichen, heißt es. Die Rede ist von den Vorbereitungen auf die zahlreichen Veranstaltungen, Kundgebungen und Demonstrationen am 1. Mai.

Keine schweren Krawalle erwartet

Seit gut drei Jahrzehnten nutzen politisch linksextreme Gruppen in Berlin den Maifeiertag und besonders die „revolutionäre“ 18-Uhr-Demonstration für Ausschreitungen. Trotz der erwarteten großen Teilnehmerzahl rechnen die Sicherheitsbehörden nicht mit schweren Krawallen gerechnet. Die Größe sage nicht unbedingt etwas über die Gewaltbereitschaft aus, sagte Kandt am Freitag. Man rechne aber damit, dass militante Randalierer mit ihrer Guerillataktik Objekte und Polizisten angreifen werden. Im Schutz der Dunkelheit und vermutlich nach Ende der Demonstration könnten kleinere Gruppen Vermummter wieder Fahrzeuge und Müllcontainer in Brand setzen und versuchen, die Einsatzkräfte der Polizei an verschiedenen Orten zu beschäftigen und mit Flaschen und Böllern anzugreifen. In Einsatzkreisen wird auch eine Hausbesetzung durch Demonstranten vermutet. Man sei aber gut vorbereitet, hieß es.

Bevorzugte Punkte für aggressive Auswüchse waren in der Vergangenheit zumeist die Fassaden von Bankfilialen sowie von Behörden. Dass Geschäftsinhaber im Kiez rund um das Kottbusser Tor ihre Fassaden mit Holzbeschlägen vor möglichen Glasbruch am 1. Mai schützen, zählt dort zu den üblichen Vorbereitungen.

Gleichwohl gingen sowohl die Zahlen der verletzten Polizisten als auch der Festnahmen von Demonstranten zuletzt von Jahr zu Jahr zurück. Dennoch sollen vor dem 1. Mai 29 Ansprachen an potenzielle Gewalttäter von der Polizei erfolgen.

Das vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg veranstaltete „MyFest“ in Kreuzberg wurde als „größter Stabilisator“ für einen friedlichen 1. Mai genannt. In den vergangenen Jahren feierten mehrere tausend Menschen friedlich den Tag der Arbeit. Das Fest beginnt am kommenden Freitag um 11 Uhr. Es findet auf folgenden Straßen und Plätzen statt: Bethaniendamm, Mariannenstraße, Muskauer Straße, Manteuffelstraße, Skalitzer Straße, Kottbusser Tor, Reichenberger Straße, Erkelenzdamm, Oranienplatz, Naunynstraße und Adalbertstraße. Frühere Versuche von militanten Linken, auch dort zu stören, konnten bislang immer im Keim erstickt werden.

Zwei Kundgebungen der NPD am 1. Mai messen die Sicherheitsbehörden eher regionale Bedeutung bei. An der Falkenberger Chaussee in Lichtenberg um 12 Uhr und um 14.15 Uhr auf dem Ahrensfelder Platz in Marzahn sind je 20 Teilnehmer angemeldet, für die Gegendemonstrationen je 200 Teilnehmer.

Am 1. Mai wird es ab 9 Uhr zu Verkehrsbehinderungen kommen. Der DGB veranstaltet einen Fahrrad- und Skaterkorso, einen Motorradkorso und ab 10 Uhr eine Kundgebung auf dem Platz des 18. März, der Straße des 17. Juni, Yitzhak-Rabin-Straße und Ebertstraße bis Scheidemannstraße.

Walpurgisnacht im Mauerpark

Für den Aufzug in der Walpurgisnacht am 30. April steht der Streckenverlauf ebenfalls noch nicht fest. Start ist am Leopoldplatz in Wedding um 18 Uhr. Der Aufzug endet am U-Bahnhof Eberswalder Straße in Prenzlauer Berg. Auch hier sei man noch in Gesprächen mit den Veranstaltern, hieß es. In den vergangenen Jahren waren 500 Teilnehmer angemeldet. „Diese Zahl war deutlich zu niedrig angesetzt“, sagte Krömer. „Wir rechnen mit 2500 bis 3000 Teilnehmern.“ Auch im Mauerpark in Prenzlauer Berg wird in der Walpurgisnacht wieder gefeiert. An den Zugängen wird es Flaschenkontrollen geben. Auf offene Feuer werde die Polizei „mit Augenmaß reagieren“, sagte Krömer. Die fachliche Kompetenz habe aber die Feuerwehr.