Extremismus

Hunderte demonstrieren mit schwulem Muslim gegen Homophobie

Rund 1200 Menschen haben am Sonntagnachmittag in Tempelhof und Neukölln gegen Homophobie und Intoleranz demonstriert.

Sie folgten damit dem Aufruf des 18-jährigen Berliners Nasser El-Ahmad. Der schwule Muslim, der von seinen Eltern aufgrund seiner Homosexualität verschleppt wurde und zwangsverheiratet werden sollte, hatte zu der Demonstration aufgerufen.

Nach Angaben der Polizei blieb es bis auf einen Böllerwurf aus dem Publikum auf die Demonstranten friedlich. Eine Teilnehmerin klagte nach der Explosion über Schwindelgefühle. Entlang der Strecke äußerten zudem einige Zuschauer lautstark ihren Unmut über Homosexualität. Die Veranstaltung unter dem Motto: „Gegen Homophobie und Intoleranz – Wir haben das Recht so zu leben, wie wir sind“ begann kurz nach 13 Uhr mit einer Kundgebung auf dem Tempelhofer Feld unweit der Sehitlik Moschee. Der Demonstrationszug setzte sich rund eineinhalb Stunden später in Bewegung und führte über den Columbiadamm, die Hermann-, Silberstein- und Karl-Marx-Straße bis zum Hermannplatz. Nach Angaben der Polizei begann die Demonstration mit ungefähr 900 Teilnehmern. Im Verlauf der Veranstaltung stieg die Zahl auf 1200 Demonstranten an. Knapp 60 Polizeibeamten begleiteten den Aufzug.

Der libanesischstämmige Nasser El-Ahmad hatte sich als Jugendlicher als schwul geoutet und wurde seitdem von seiner Familie drangsaliert, zum Teil gefoltert und beinahe getötet. Höhepunkt war, als ihn sein Vater und zwei Onkel entführten, in den Libanon bringen und dort zwangsverheiraten wollten. Die Entführung flog an der rumänisch-bulgarischen Grenze auf. Die Onkel und der Vater wurden kürzlich in Berlin zu Geldstrafen verurteilt.