Die Ratgeber

Gibt es nur für Kinder Freibeträge?

Erbrecht – Die Eheleute W. aus Lichtenrade machen sich Gedanken über ihr Testament und wollen für alle Eventualitäten vorsorgen. Sie haben nur einen Sohn und planen, auch ihre Schwiegertochter abzusichern. Sie möchten gern wissen, ob diese – sollte der Sohn vor den Eltern sterben – genauso wie ihr Sohn über das Erbe verfügen könnte oder ob für sie dann andere Steuerregelungen und andere Freibeträge gelten.

Der Erbrechtsexperte Dr. Max Braeuer erklärt die Gesetzeslage: „Sollte der Sohn der W.s früher als seine beiden Eltern gestorben sein, so hat dessen Witwe gegenüber ihren Schwiegereltern keinen gesetzlichen Erbanspruch. Sie haben aber natürlich die Möglichkeit, ihre Schwiegertochter dann durch das Testament zur Erbin zu bestimmen. Das muss für beide Erbfälle gemacht werden, also für den Fall des Todes der Ehefrau und den ihres Mannes. Die beiden können sich aber auch zunächst gegenseitig als Erben einsetzen und bestimmen, dass ihre Schwiegertochter dann den Überlebenden beerbt.

Wenn das Erbe, das die Schwiegertochter übernimmt, nicht nur ganz geringfügig ist, wird sie Erbschaftsteuer zahlen müssen. Darauf richtet sich die Frage nach dem Freibetrag. Der Freibetrag ist eine Vergünstigung im Erbschaftsteuerrecht. Die Freibeträge sind sehr unterschiedlich, je nachdem wie nah das Verwandtschaftsverhältnis zwischen dem Erben und dem Verstorbenen gewesen ist. Der Erbe muss für den Wert des Nachlasses bis zur Höhe des Freibetrages keine Steuer zahlen.

Der Freibetrag ist unter Eheleuten am höchsten. Auch noch sehr hoch ist der Freibetrag, den Kinder gegenüber ihren Eltern haben. Bis zu 400.000 Euro, die Kinder von ihren Eltern erben, sind steuerfrei. Das gilt gegenüber jedem Elternteil, sodass die Eltern an jedes ihrer Kinder insgesamt bis zu 800.000 Euro steuerfrei vererben können. Diese Vergünstigung hat die Schwiegertochter nicht. Sie kann von jedem der Schwiegereltern nur bis zu 20.000 Euro steuerfrei erben. Das ist ein Freibetrag, wie ihn auch jeder andere hätte, den sie als Erben im Testament einsetzen.

Eine gewisse Vergünstigung hat die Schwiegertochter als Erbin aber dennoch. Der Steuersatz, der für den Nachlass oberhalb des Freibetrages zu zahlen ist, ist auch unterschiedlich und hängt von der Nähe des Verwandtschaftsverhältnisses ab. Es gibt im Erbschaftsteuerrecht drei Steuerklassen. Dabei ist die Steuerklasse I für die nahen Verwandten, sie enthält den niedrigsten Steuersatz. Die Steuerklasse III enthält den höchsten Steuersatz. Dazwischen liegt die Steuerklasse II, und darunter fällt die Schwiegertochter. Der Steuersatz ist nicht einheitlich. Der Prozentsatz, der als Steuer abzuführen ist, hängt wie beim Einkommen auch von der Höhe des Nachlasses ab. Man kann aber sagen, dass der Steuersatz für die Schwiegertochter etwa in der Mitte zwischen dem günstigen Steuersatz für Verwandte und dem sehr ungünstigen Steuersatz für völlig fremde Personen liegt.

Sollte der Sohn der W.s nicht nur seine Witwe, sondern auch Kinder hinterlassen, so können sie als Großeltern diese Kinder, ihre Enkel, zu Erben einsetzen. Die Enkel werden bei der Erbschaftsteuer genauso begünstigt, wie das für ihren Sohn gegolten hätte. Jedem Enkel steht also gegenüber jedem Großelternteil ein Freibetrag von 400.000 Euro zur Verfügung.“