Stadtmission

Notunterkunft für Obdachlose vollständig belegt

Traglufthalle muss im kommenden Winter umziehen

Das berichteten Mitarbeiter der Berliner Stadtmission am Dienstag. Mehr als 14.000 Übernachtungen wurden dort von Mitte November 2014 bis Ostern gezählt. Wie schon im Winter vergangenen Jahres finanzierte der Hamburger Energiedienstleister Care-Energy die klimatisierte Halle, für die Betreuungskosten kam das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg auf. Die Zahl der Übernachtungen ist damit wesentlich höher als im Vorjahr, weil nun 100 Gäste pro Nacht genehmigt waren. In der ersten Saison im vergangenen Jahr waren es 60.

Die Betreuung der Obdachlosen übernahm erneut die Stadtmission, mehr als 40 Ehrenamtliche opferten dafür ihre Abende und Nächte. Sie hätten „mit ihrer Seele“ dafür gesorgt, dass die Menschen dort nicht nur ein Nachtlager gefunden haben, sondern ein Zuhause, sagte Ulrich Neugebauer, Leiter der Kältehilfe bei der Stadtmission. Die Halle blieb als einzige Einrichtung der Kältehilfe bis Dienstagmorgen geöffnet, die übrigen schlossen bereits am 31. März. Angesichts des Sturmtiefs „Niklas“ in der vergangenen Woche sei dies sehr wichtig gewesen, sagte Stadtmissionsdirektor Joachim Lenz. Martin Kristek, Gründer und Inhaber von Care-Energy, betonte, die Saison in der Halle sei ohne Zwischenfälle verlaufen. Kristek und die Stadtmission möchten auch im kommenden Winter wieder eine solche Halle betreiben. Dafür muss allerdings ein neuer Standort gefunden werden, auf dem Schöneberger Bahngelände werden Wohnungen gebaut.

Ganzjährig stehen in Berlin nur rund 80 Schlafplätze für Obdachlose zur Verfügung. Das sei angesichts der 3500 Menschen, die allein die Notübernachtungen der Stadtmission in diesem Winter nutzten, zu wenig, kritisierte Neugebauer. Er forderte den Senat auf, ein weiteres Haus für kranke Wohnungslose einzurichten. Die Traglufthalle habe die Not nicht beseitigt, aber gelindert, betonte Stadtmissionsdirektor Lenz. Jetzt würden die Menschen, die dort übernachteten, wieder unter freiem Himmel schlafen.