Interview

„Unterhosen finde ich wichtig“

| Lesedauer: 6 Minuten

Mode sollte für Joko Winterscheidt nicht nur authentisch, sondern auch fair produziert sein

An der Seite von Matthias Schweighöfer ist Moderator Joko Winterscheidt derzeit nicht nur in „Der Nanny“ zu sehen, sondern hat mit ihm auch das Label German Garment gegründet. Am Dienstagabend präsentierte er im „Parker Bowles“ in Kreuzberg eine Version des Modeklassikers „schwarzes T-Shirt“, das er in Kooperation mit Axe entworfen hat. Ein Gespräch vorab über Stil, Modesünden und Verantwortung beim Klamottenkauf.

Berliner Morgenpost:

Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

Joko Winterscheidt:

Ich glaube, da gibt es immer wieder Phasen. Es gab Zeiten, da habe ich nur Pullover mit V-Ausschnitt und weißen Hemden darunter getragen. Jetzt bin ich eher wieder in der Jugend angekommen. Ich glaube, die Rebellion der Jugend heute ist es, sich so zu kleiden wie unsere Eltern. Wir sind die Generation, die sich auch mit über 30 noch kleidet wie ein Jugendlicher. Das wird immer eine Entwicklung bleiben. Man macht immer wieder Trends mit. Genauso stehe ich aber auch auf Klassiker.

Was war Ihre schlimmste Modesünde?

Bei MTV gab es wilde Zeiten. Mein Casting habe ich in einer sehr weiten Jeans und einem türkisfarbenen V-Ausschnitt-Pulli gemacht. Das sah sehr seltsam aus. Und dann auch noch die langen Haare dazu. Wenn ich das heute sehe, dann war das nicht gut. Aber Geschmack verändert sich natürlich auch. Mit zunehmendem Alter wächst das Bewusstsein für Dinge, die einem wirklich gefallen, und für Sachen, die man nur anzieht, weil sie gerade angebracht sind. Man sollte versuchen, gewissen Gegebenheiten seine eigene Note zu geben und nicht nur wie ein Lemming hinterherlaufen.

Besser over- oder underdressed?

Ich finde, underdressed. Das ist doch irgendwie sympathisch. Ich hätte manchmal Lust, zum Fernsehpreis in Jogginghose zu gehen, weil das saugemütlich ist und man dort oft stundenlang rumsitzt. Für Männer ist es glücklicherweise schwer, overdressed zu sein. Das Höchste der Gefühle ist ein Smoking, und die Gelegenheiten dafür sind rar. Man würde einen Smoking nicht einfach anziehen, weil man denkt, heute ist ein Smoking-Tag.

Gibt es ein Mindestoutfit, das vorhanden sein muss, bevor Sie das Haus verlassen?

Unterhosen. Das finde ich wichtig. Jogginghosen sind für mich kein Problem. Mittlerweile liebe ich es auch, mir sofort eine Jogginghose anzuziehen, wenn ich nach Hause komme. Man glaubt es kaum, aber ich bin eigentlich ein fauler Mensch. Und die Jogginghose spiegelt das recht gut wider.

Gibt es ein Kleidungsstück, das alle Ihre Freunde furchtbar finden, von dem Sie sich aber nie trennen würden?

Klaas sagt oft zu mir: Das kannst du nicht anziehen. Dann sage ich: Ich glaube nicht, dass du der Typ bist, beurteilen zu können, was ich nicht anziehen kann. Guck mal, wie du rumläufst. Es gab aber auch Zeiten, da habe ich eine rosafarbene Chinohose getragen. Die war so richtig rosa. Für die wurde ich von allen Seiten ausgelacht, aber ich habe die Hose geliebt. Vielleicht sogar deshalb, weil sie alle unmöglich fanden.

Sie haben mit Matthias Schweighöfer das Label German Garment gegründet. Wie kam es dazu?

Als wir das Label 2009 gegründet haben, waren wir noch auf der Suche nach einem Ausweg, falls Fernsehen und Film für uns nicht funktionieren. Und wir haben uns über die Anzeigen von Discountern gewundert, bei denen man ein T-Shirt für 2,99 Euro kaufen kann. Man hinterfragt das selten. Und mit diesem Ansatz, alles in Deutschland zu produzieren, haben wir dann German Garment gegründet. Da das unfassbar aufwendig und unfassbar teuer war, gleichzeitig unsere Zielgruppe vielleicht gar nicht das Kleingeld für solche Produkte hat, haben wir das mittlerweile auf Europa ausgeweitet, aber wir kennen jeden Produzenten und die Arbeitsbedingungen vor Ort.

Mit Matthias Schweighöfer sind Sie gerade in „Der Nanny“ im Kino zu sehen. Auch eine Auswegstrategie zum Fernsehen?

Die Geschichte dazu ist ein bisschen spezieller. Ich war auf einem Langstreckenflug, und dort kann man nur vier Dinge tun: essen, trinken, schlafen und Filme gucken. Ich habe also getrunken und mir „Vaterfreuden“ angeschaut, und irgendwann hatte ich leicht einen sitzen. Also habe ich Matthias eine überhebliche Nachricht geschrieben: Das kann ich auch. Als Matthi nach drei Tagen geantwortet hat, hatte ich die Nachricht schon wieder vergessen. Auf dieser Basis hat er mich dann zum Casting eingeladen. Das habe ich vier, fünf Mal verschoben, weil ich Schiss hatte. Das war keine Auswegstrategie, das war pure Dummheit, die mich in diese wunderbare Situation gebracht hat.

Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?

Das kann ich noch gar nicht so genau sagen. Das ist alles auch noch sehr frisch und absurd. Ich in einem Kinofilm, das geht noch nicht in meinen Kopf hinein. Da bin ich noch zu sehr der kleine Junge aus Schwalmtal, der sich daran erinnert, wie er im Garten mit Freunden die Tannen abgesägt und ein Feuer gemacht hat. Das kriege ich noch nicht so richtig auf die Reihe. Aber ich bin auch erst 36, geben Sie mir noch ein paar Jahre.