Die Ratgeber

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| Lesedauer: 11 Minuten

Leser fragen – Experten aus sieben Fachgebieten von Erbrecht bis Verbraucherschutz beantworten Ihre Fragen, kompetent und verständlich

Sollen wir die Ostereier besser selbst färben?

Tatjana S., Schöneberg: Zu Ostern habe ich für meine Familie gern bunt gefärbte Eier auf dem Frühstückstisch. Ist es eigentlich besser, Eier selbst zu färben oder kann ich auch zu den knallbunten Eiern im Supermarktregal greifen?

Eva Bell: Wir empfehlen aus mehreren Gründen, die Eier selbst zu färben: Zum einen muss bei bereits gefärbten Eiern aus dem Handel – anders als bei roher Ware – die Haltungsform nicht deklariert werden. Sofern nichts anderes auf der Verpackung vermerkt ist, kann es sich bei den gefärbten Eiern um Eier aus Käfighaltung handeln. Wenn Sie Wert auf artgerechte Tierhaltung legen, sollten Sie daher lieber zu ungefärbten Bio-Eiern oder Eiern aus Freilandhaltung greifen. Auch kann es sein, dass die bereits gefärbten Eier schon recht alt sind. Sie sind nämlich mit einer Lackierung überzogen, die den Gasaustausch zwischen Ei und Luft unterbindet. Das Ei wird dadurch zu einer Art „Konserve“ und ist – mit unbeschädigter Schale – mehrere Wochen haltbar.

Im Lebensmittelhandel gibt es spezielle Eierfarben – Brausetabletten, bunte Stifte oder kleine Malkästen. Das sind wasserlösliche natürliche oder synthetische Farben, die laut Lebensmittelgesetz zugelassen sind. Einige dieser Farbstoffe gehören zur Gruppe der Azofarbstoffe, die allergische Reaktionen auslösen können und im Verdacht stehen, bei Kindern das sogenannte Zappelphilippsyndrom zu verstärken. Azofarbstoffe erkennen Sie an dem Warnhinweis „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“ auf der Verpackung. Für unbedenkliches Färben bieten sich pflanzliche Lebensmittel an. Gut geeignet sind rote und gelbe Zwiebelschalen, rote Beete, schwarzer Tee, Walnussschalen und Spinat. Die Pflanzenteile sollten vor dem Färben 45 Minuten gekocht werden. Am besten eignen sich weiße Eier. Wenn man sie vor dem Färben mit Essig abreibt, intensiviert das die Tönung. Wer ausgeblasene Eier bemalen möchte, sollte eine Empfehlung zum Schutz vor Salmonellen beherzigen und die Eier vor dem Ausblasen vorsichtig mit warmem Wasser und Spülmittel reinigen und möglichst mit einem Hilfsmittel, wie zum Beispiel mit einem dünnen Strohhalm, auspusten, um den direkten Kontakt mit dem Mund zu vermeiden. Die ausgeblasenen, rohen Eier sollten schnell verarbeitet werden und bis dahin bei maximal sieben Grad gekühlt werden.

Können Mieter die Kaltwasserzähler auch kaufen?

Klaus M., Steglitz: Vor einigen Tagen erhielten wir unangemeldeten Besuch zur Überprüfung der Kaltwasserzähler. Grund war der Ablauf der Eichfrist. In einem Info-Brief teilte die GSW uns mit, dass sie neue Verbrauchserfassungsgeräte für die Mieter gemietet hat, pro Kaltwasserzähler würden 5,82 Euro im Jahr fällig werden. Können die Mieter selbst entscheiden, diese Geräte zu kaufen, statt zu mieten, wenn das günstiger wäre? Müssen wir zustimmen oder kann die Gesellschaft allein über das Verfahren entscheiden? Entfällt nun die künftige Eichpflicht für die Kaltwasserzähler?

Reiner Wild: Der Vermieter ist in der Wahl der Erfassungsgeräte frei. Anders als bei den Erfassungsgeräten für Heizwärme und Warmwasser muss der Vermieter bei der Neuinstallation von Erfassungsgeräten für den Kaltwasserverbrauch keine Mietermeinung darüber einholen, ob die Geräte erworben oder geleast beziehungsweise gemietet werden. Gegen die Gebühr kann der Mieter nur die fehlende Wirtschaftlichkeit vortragen, etwa dadurch, dass ihm deutlich günstigere Angebote vorliegen. Davon wird man aber im vorliegenden Fall kaum ausgehen können. Der Eichpflicht nach fünf Jahren Betriebsdauer kommt der Vermieter in der Regel dadurch nach, dass die Geräte im Rahmen des Miet- oder Leasingvertrages ausgetauscht werden. Dann würden keine weiteren Kosten entstehen. Ob dies im Vertrag zwischen dem Vermieter und der Erfassungsfirma hier so vereinbart ist, kann nur durch eine Einsicht in den Vertrag geklärt werden.

Wie können wir den Eingang zum Hinterhof besser sichern lassen?

Luise S., Mitte: Meine Tochter kommt nach dem Spätdienst oft erst in der Nacht nach Hause und ich mache mir Sorgen um ihre Sicherheit. Ihre Wohnung liegt in einer sehr ruhigen Seitenstraße. Der Hauseingang ist nur über einen Durchgang über einen größeren begrünten Hinterhof erreichbar. Vorn am Durchgang zur Straße befindet sich ein etwa zwei Meter hohes Eisengittertor, das einen relativ guten Schutz bieten könnte, wenn es verschließbar wäre. Dazu müsste eine Schließanlage an dem Tor installiert werden. Welche Vorschläge können wir dem Vermieter unterbreiten?

Reiner Wild: Nach Ihrer Schilderung muss davon ausgegangen werden, dass auch zum Zeitpunkt, an dem Ihre Tochter den Mietvertrag abgeschlossen hat, der Durchgang zum Hof nicht abschließbar war. Ein Rechtsanspruch auf die Neuinstallation einer Schließanlage besteht deshalb nicht. Natürlich können die Mieter etwa in einem gemeinsam verfassten Brief an den Vermieter herantreten und ihm eine derartige Schließanlage zur Verbesserung der Sicherheit nahelegen. Allerdings müssen Sie damit rechnen, dass der Vermieter die dabei entstehenden Kosten auf die Miete umlegen wird.

Kann ich einen Zaun beim Nachbarn einfordern?

E. M., Friedrichshagen: 2014 wurde unser Nachbargrundstück verkauft. Mit dem ehemaligen Pächter hatten wir uns darauf geeinigt, auf einen Zaun zur Grundstücksbegrenzung zu verzichten. Stattdessen gab es eine Hecke, an der Grenze steht eine Pumpe, die wir gemeinsam nutzten. Mit dem Verkauf ist diese Benutzung durch den neuen Besitzer erloschen. Nun wurde unser Grundstück durch Wildschweine, die über sein Grundstück kamen, stark verwüstet. Der neue Eigentümer reagierte nicht auf unsere Anrufe. Wir schickten ein Einschreiben und baten ihn, einen Zaun zu setzen. Der Zaun ist, wenn man vor dem Grundstück steht, auf der rechten Seite. Was können wir tun, damit der Nachbar reagiert?

Carsten Brückner: Sie haben mit dem ehemaligen Pächter als damaligem Verfügungsberechtigten eine Vereinbarung betreffend die Gestaltung der Grundstückseinfriedung getroffen. Mit Wegzug des Pächters und Beendigung des Pachtverhältnisses dürfte diese Vereinbarung geendet haben. Die Pflicht zur Einfriedung richtet sich nach dem Berliner Nachbarrechtsgesetz. Hiernach kann jeder Grundstückseigentümer von dem Nachbarn die Einfriedung unter anderem dann verlangen, wenn die Grundstücke unmittelbar nebeneinander an derselben Straße liegen. Dann muss jeder Eigentümer an der Grenze zum rechten Nachbargrundstück die Einfriedung herstellen.

Sie haben mithin gegenüber Ihrem Nachbarn einen Anspruch auf eine Einfriedung der Grundstücksgrenze. Dem Nachbarn sollte eine angemessene Frist gesetzt werden, um ihm Gelegenheit zu geben, dem ordnungsgemäß nachzukommen. Kommt er dieser Verpflichtung nicht nach, können Sie Ihren Anspruch gerichtlich geltend machen und auf diesem Wege die Einfriedung erzwingen. Möglich ist vielleicht auch eine Absprache mit dem neuen Nachbarn, dass Sie die Einfriedung durchführen, der Nachbar aber für die Kosten und für die weitere laufende Instandhaltung aufkommt. Eine außergerichtliche Vereinbarung der Nachbarn ist immer besser als ein Urteil.

Haben Farne auf meinem Nordbalkon eine Chance?

Bärbel B., Westend: Ich habe eine Wohnung im 4. Stock mit Nordbalkon und nur bis etwa 10.30/11 Uhr Sonne. Manchmal ist es etwas windig. Da ich Farne mag, frage ich an, ob es überhaupt ratsam wäre, dort Farne in die Balkonkästen zu pflanzen. Wenn ja, welche Sorte wäre angebracht? In welchem Abstand setze ich sie und wie oft werden sie gegossen? Bei den Balkonkästen möchte ich wissen, ob Plastikkästen zu empfehlen sind. Und nehme ich besser große oder kleine Kästen?

Gabriele Kleuvers: So wie Sie Ihren Balkon beschreiben, halte ich es für machbar, dort auch Farne, die sonst eher mit Wald und einem feuchten Standort in Verbindung gebracht werden, zu halten. Allerdings empfehlen sich nicht die üblichen Balkonkästen, die an oder auf den Balkonbrüstungen angebracht werden. Sie bieten keinen ausreichenden Wurzelraum, trocknen schnell aus und sind dem Wind mehr ausgesetzt. Für Ihren Wunsch scheinen ein oder mehrere Kübel ab einem Durchmesser von 30 bis 40 Zentimetern geeigneter zu sein. Da ihnen mehr Wurzelraum zur Verfügung steht, die Feuchtigkeit besser gehalten werden kann und die Erde auch im Winter nicht so schnell durchfriert, haben die mehrjährigen Pflanzen bessere Lebensbedingungen.

Suchen Sie Farnsorten aus, die nicht höher als 40 bis 60 Zentimeter werden, wie zum Beispiel Frauenhaar-, Tüpfel- oder Hirschzungenfarn. Sollten zwei bis drei Pflanzen zusammen in einem Kübel wachsen, achten Sie darauf, dass sie dieselben Bodenbedingungen fordern: entweder humusreiche und leicht saure Böden oder eher nährstoffärmere, sandige Bodensubstrate. Ob Plastik- oder Tonkübel, diese Frage ist für den Erfolg nicht entscheidend. Tonkübel sollten aber über die ausreichende Winterhärte verfügen.

Verbraucherschutz: Eva Bell ist Vorstand der Verbraucherzentrale Berlin

Miete: Reiner Wild ist der Vorsitzende des Mietervereins Berlin und erklärt Mietern ihre Rechte

Tiere: Dr. Andreas Ochs ist Tierarzt im Zoo Berlin und Experte für Haus-, Zoo- und Wildtiere

Familien- und Erbrecht: Dr. Max Braeuer ist Anwalt und Notar für Familien- und Erbrecht

Wohneigentum: Dr. Carsten Brückner ist Chef des Bundes der Berliner Haus- und Grundbesitzervereine e.V.

Auto: Thomas Lundt ist Chef und Obermeister der Kfz-Innung Berlin und Inhaber einer Werkstatt

Garten + Balkon: Gabriele Kleuvers ist Landschaftsplanerin und Parkleiterin des Britzer Gartens in Neukölln

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