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Scheidung: Wo leben die Kinder?

Christoph K. ist verheiratet und hat zwei Kinder. Die Ehe ist gescheitert, die Scheidung steht bevor. K. will auch nach der Scheidung weiter als Vater für seine Kinder präsent sein und schlägt deshalb für deren Aufenthalt ein Wechselmodell vor. Sie sollen abwechselnd je eine Woche bei ihm und eine bei seiner Frau wohnen. Schließlich wohne er im selben Ort und sei jeden Abend zu Hause. Seine Frau ist dagegen. Sie möchte, dass die Kinder ihren Lebensmittelpunkt im Haushalt der Mutter haben. Christoph K. glaubt, dass es seiner Frau in Wirklichkeit nur um den Unterhalt geht. Er erwägt nun, das von ihm bevorzugte geteilte Erziehungsmodell vor Gericht einzuklagen. Doch ist das gegen den Willen der Mutter überhaupt möglich?

Das wird schwierig, sagt der Familienrechtler Dr. Max Braeuer.Das Wechselmodell bei Trennungsfamilien sei noch ein ziemlich neues Thema, dessen Beurteilung sich sehr schnell und sehr stark gewandelt hätte: „Von einem Wechselmodell spricht man, wenn die Kinder getrennter oder geschiedener Eltern nicht hauptsächlich bei einem Elternteil wohnen, sondern gleichberechtigt abwechselnd bei Vater und Mutter. Typisch ist dabei ein Wochenrhythmus, bei dem die Kinder immer freitags nach der Schule von einem Elternteil zum anderen umziehen.

Es ist noch nicht lange her, da wurde ein solches Modell von den meisten Fachleuten abgelehnt. Es besteht die Besorgnis, die Kinder würden dadurch überfordert. Kinder müssten einen festen Bezugspunkt und ein Zuhause haben. Heute ist diese Form der Kinderbetreuung viel weiter verbreitet. Die Gleichberechtigung beider Eltern bei der Erziehung und Betreuung der Kinder hat zugenommen. Deshalb ist auch das Wechselmodell immer häufiger anzutreffen. Die Erfahrungen, die dabei gemacht wurden, sind besser, als vielfach erwartet. Viele Kinder, aber nicht alle, kommen gut damit zurecht.

Wenn sich getrennt lebende Eltern darauf verständigen, kann niemand etwas dagegen einwenden. Es liegt in der erzieherischen Verantwortung der Eltern, wie sie ihre Kinder betreuen. Ob das Wechselmodell allerdings auch von einem Elternteil gegen den erklärten Willen des anderen durchgesetzt werden kann, lässt sich zurzeit nicht klar beantworten. Dafür müsste das Familiengericht in das Umgangsrecht der Eltern eingreifen und den wechselweisen Aufenthalt der Kinder im Haushalt von Vater und Mutter anordnen. Die gerichtlichen Entscheidungen, die dazu ergangen sind, sind sehr unterschiedlich. Im Gesetz findet sich zum Wechselmodell keine Regelung. Die Gerichte haben deshalb keinen einheitlichen Maßstab, an dem sie sich orientieren können. Sicher ist aber, dass ein Wechselmodell nur funktioniert, wenn die Eltern ohne Streit gemeinsam im Interesse der Kinder daran mitwirken. Dieses Zusammenwirken ist unwahrscheinlich, wenn die Eltern schon vor Gericht darüber streiten. Die Chance, dass Herr K. mit seinem gerichtlichen Antrag Erfolg haben könnte, ist deshalb zurzeit eher gering.

Mit der Sorge, dass die Mutter sich wegen des Unterhalts gegen das Wechselmodell sträubt, könnte er durchaus Recht haben. Normalerweise muss der Elternteil, der die Kinder nicht ständig betreut, an den anderen Elternteil Kindesunterhalt zahlen. Bei einem echten Wechselmodell muss jedoch normalerweise kein Elternteil an den anderen Unterhalt zahlen. Das wäre für seine Frau sicher schmerzhaft. Die Kosten, die sie für die Kinder aufbringen muss, unterscheiden sich sicher nicht erheblich, ob die Kinder nun dauerhaft bei ihr leben oder nur in jeder zweiten Woche.“