Unternehmen

Der Bäder-Chef taucht ab

Ole Bested Hensing geht aus familiären Gründen. Nach nur zwei Jahren. In Berlin gab es auch Kritik an seinen Plänen

Berlins Bäder-Chef hört auf: Der Vorstandsvorsitzende der Berliner Bäderbetriebe (BBB), Ole Bested Hensing, hat um die vorzeitige Auflösung seines Vertrages zum 30. Juni 2015 gebeten. In einer kurzen persönlichen Erklärung gab der Manager „wichtige familiäre Gründe“ für seinen Entschluss an. Bäder-Aufsichtsratschef und Sportsenator Frank Henkel (CDU) hat wegen des anstehenden Führungswechsels das Kontrollgremium zu einer Sondersitzung in der kommenden Woche geladen. Erst vor zwei Wochen war im Abgeordnetenhaus nach monatelanger Hängepartie das neue Bäder-Konzept 2020 beschlossen worden.

Bedauern über den Rückzug

Mit Bested Hensing geht ein Manager, der in zwei Jahren für reichlich Bewegung in der Berliner Bäderlandschaft gesorgt hat. Letztlich sprachen sich die führenden Berliner Politiker aber gegen wesentliche Elemente seines Konzepts aus, andere hingegen werden weiterverfolgt. So hat sich Bested Hensings Absicht, veraltete Bäder schließen zu dürfen, um überhaupt wirtschaftlich arbeiten zu können, in eine Bestandsgarantie für jede Schwimmhalle der Stadt verwandelt. Seine Vorschläge, als Ersatz für alte Einrichtungen moderne Multifunktionsbäder zu bauen und so mehr Kunden anzulocken, sollen hingegen realisiert werden.

SPD-Fraktionschef Raed Saleh, der sich mit dem Einsatz für neue kombinierte Hallen- und Freibäder auch persönlich profiliert, bedauerte das Ausscheiden. „Wir haben sein Engagement für die Berliner Bäderlandschaft geschätzt und in ihm einen engagierten Ansprechpartner gehabt“, sagte Saleh. „Die Bäder sind und bleiben für uns Teil der Daseinsvorsorge. Deshalb investieren wir zusätzlich 60 Millionen Euro in neue Bäder.“ Er bezog sich dabei auf die Summe, die aus dem Jahresüberschuss von 2014 für zwei neue Anlagen in Pankow und Mariendorf vorgesehen sind. Der SPD-Sportpolitiker Dennis Buchner sagte, unter Bested Hensings Ägide seien diverse Sanierungen fertiggestellt worden, sodass Berlin heute so viele Bäder im Betrieb habe wie seit vielen Jahren nicht. „Schwimmen ist in Berlin für jeden wohnortnah und zu sozial verträglichen Eintrittspreisen möglich.“ Auch wenn dem scheidenden Bäder-Chef jetzt Lob gewidmet wird, so war doch das Verhältnis des früheren Leistungsschwimmers zur Berliner Politik während der kaum zwei Jahre Amtszeit keineswegs spannungsfrei.

Sportsenator Henkel hatte den früheren Geschäftsführer des Brandenburger Spaßbades Tropical Islands zu den Bäderbetrieben geholt, um das Unternehmen auf Vordermann zu bringen und Strukturen zu verändern. Denn trotz beträchtlicher Investitionen in die Sanierung der Bäder war es nicht gelungen, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu beheben. Das ist im Kern auch Bested Hensing nicht gelungen. Den Sanierungsstau bezifferte er auf 93 Millionen Euro. Eigentlich hatte der umtriebige Manager vor, Berlins Bäder wirtschaftlicher zu machen und dafür auch Kapazitäten vom Netz zu nehmen. Er wollte neue, attraktive Einrichtungen bauen, die auch Menschen anlocken, die keine Lust haben, nur ihre Bahnen zu ziehen.

Vorbild Delmenhorst

Als Vorbild nannte Bested Hensing die Therme im niedersächsischen Delmenhorst, die einen Innen- und Außenbereich bietet, ein 25-Meter-Sportbecken, Whirlpools, Grotten, Strömungskanal und andere Attraktionen. Die Anlage hatte vor wenigen Jahren 23 Millionen Euro gekostet. Im Gegenzug sollten die BBB aber unrentable Bäder schließen. 14 Standorte standen zwischenzeitlich auf der Streichliste. Dass er diese Ziele ohne Absprache mit der Politik verkündete, sorgte nach seinem Amtsantritt 2013 für Irritationen. Einmal war Bested Hensing mit CDU-Fraktionschef Florian Graf zu einer Besichtigungstour unterwegs, als er Schließungspläne verkündete. Graf versicherte, dass er keineswegs eingebunden sei in diese Überlegungen und sie auch nicht teile.

Die Schließungsideen wurden im Laufe der Diskussionen immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Stattdessen erteilte zum Beispiel die SPD eine Bestandsgarantie für alle 62 Bäder, übernimmt aus seinem Plan allein die Neubaupläne. Auch der Vorschlag, einzelne Bäder für Sportvereine und Schulen zu reservieren und möglichst den Vereinen zu überlassen, wird weiterverfolgt.

Die Politik pfiff den Manager jedoch zurück, als er die Personalnot der BBB durch den Einsatz von Leiharbeitern lindern wollte. Denn es stellte sich heraus, dass nicht genügend Mitarbeiter da sind, um all die frisch sanierten, wiedereröffneten Bäder zu besetzen. Eine solche Lösung wurde ihm aber vor allem von der SPD untersagt. Seit Amtsantritt ringt Bested Hensing auch mit seinem Personalrat um flexiblere Arbeits- und Einsatzzeiten, ohne dass ihm die Politik beigesprungen wäre. Anders als im Falle anderer landeseigener Unternehmen will die Politik lieber die Zuschüsse von derzeit 50 Millionen Euro erhöhen. Mit dem Dilemma, dass auch frisch sanierte alte Bäder mehr als eine Million Euro Defizit pro Jahr bringen, wird sich auch ein neuer Bäder-Chef herumschlagen dürfen.