Kommentar

Gute Nachbarschaft

Andreas Abel über einen Streit um Flüchtlinge in Westend

Ressentiments gegen ein Flüchtlingsheim – das hatte man bislang eher aus Marzahn-Hellersdorf oder Pankow gehört. Aber Westend? Dieser Hort guter Bürgerlichkeit, der Bildung und des Wohlstands? Und doch geschah es. Ein Brief, in dem vor „sozialen Spannungen“ und einer „erheblichen Abwertung unserer Wohngegend“ die Rede war, sorgte für Wirbel unter den Nachbarn. Längst hat sich ein Willkommensbündnis zur Unterstützung der Flüchtlinge gebildet. Dessen Vertreter und Befürworter stellten bei der Bürgerversammlung am Freitagabend klar die Mehrheit. Die Anwohner hatten aber auch viele Fragen, einige äußerten Ängste. Doch der Brief spielte dort keine Rolle. Einer der beiden Verfasser hatte sich zuvor bereits von seinem Schreiben distanziert. Es tue ihm leid, sagte er einsichtig, und dass er jeden Tag Hassmails bekomme, nachdem Linksautonome im Internet seinen Namen und seine Adresse veröffentlicht haben. Vielleicht hat der unnötig eskalierte Konflikt ja am Ende etwas Gutes. Es scheint zu gelingen, das aufgestaute Informations- und Diskussionsbedürfnis der Anwohner sachlich zu stillen und Vorbehalte gegen Asylbewerber abzubauen. Die Flüchtlinge hätten es verdient.