Einkommen

Jedes dritte Berliner Kind lebt von Hartz IV

In der Hauptstadt ist die Armutsquote um ein Viertel gewachsen und in Brandenburg gesunken

Es ist eine traurige Bilanz, die der Paritätische Gesamtverband am Donnerstag präsentierte: Rund jeder fünfte Berliner gilt nach dessen Berechnungen als arm – und die Zahl wächst weiter. Die Armutsquote für die Hauptstadt liegt nach der jüngsten Auswertung für das Jahr 2013 bei 21,4 Prozent. Das entspricht bei 3,4 Millionen Einwohnern rund 727.600 Menschen. Neben Arbeitslosen und Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss sind insbesondere auch Kinder in einkommensschwachen Familien betroffen, teilte der Verband mit. In Berlin lebe inzwischen jedes dritte Kind von Hartz IV.

Als arm definiert der Verband Menschen, die weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens einer Region zur Verfügung haben. Als Berechnungsgrundlage dient der Mikrozensus als kleine Volkszählung, bei der Haushalte regelmäßig Fragen zu ihrem Nettoeinkommen beantworten müssen.

Bundesweit lag die Schwelle für Armut 2013 laut Verband für einen Singlehaushalt bei 892 Euro im Monat und für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 1873 Euro im Monat. Die Schwelle hängt dabei aber auch von den Hartz-IV-Sätzen einer Region ab. Für Singles gibt es zum Beispiel in Vorpommern 665 Euro Hartz IV – im wohlhabenden Wiesbaden sind es 845 Euro. In Berlin ist nach Daten des Verbands rund ein Fünftel der Bevölkerung (20,7 Prozent) auf staatliche Hilfen nach dem Sozialgesetzbuch angewiesen – mit Abstand der höchste Wert in Deutschland. Der Bundesschnitt liegt bei 9,6 Prozent. Seit 2006 ist die Armutsquote in der Hauptstadt nach der Auswertung kontinuierlich um ein gutes Viertel (26 Prozent) gewachsen – und damit auf diese lange Sicht doppelt so stark wie im Rest der Republik. Eine ähnlich rasante Zunahme sahen die Statistiker nur in Nordrhein-Westfalen (22 Prozent).

12,5 Millionen arme Menschen

2012 lag die Berliner Armutsquote bei 20,8 Prozent, 2011 bei 20,6 Prozent und 2010 bei 19,2 Prozent. Die neue Berliner Zahl von 21,4 Prozent liegt auch weiter deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 15,5 Prozent. In ganz Deutschland gelten nach der Definition des Verbandes rund 12,5 Millionen Menschen als arm. Unter den Arbeitslosen waren es fast 60 Prozent, bei den Alleinerziehenden mehr als 40 Prozent. Höhere Armutsquoten als die Hauptstadt haben als Stadtstaat nur Bremen (24,6 Prozent) und als Flächenland allein Mecklenburg-Vorpommern (23,6 Prozent). Die niedrigsten Quoten wiesen Bayern (11 Prozent) und Baden-Württemberg (11,1 Prozent) auf.

In Brandenburg ist die Armutsquote nach Berechnungen des Verbandes dagegen leicht gesunken. Im Jahr 2013 lag sie bei 17,5 Prozent – und damit nicht mehr weit über dem Bundesdurchschnitt von 15,5 Prozent. Neben Sachsen-Anhalt ist Brandenburg damit das einzige Bundesland, in dem die Armutsquote zurückging. 2012 lag sie nach Angaben des Verbands noch bei 18,1 Prozent.